Kultur : Ja damals, in Neapel!

Mirko Weber

Am Ende Feuerzauber im Münchner Gasteig. Aus Wagners "Walküre", arrangiert für Salonorchester. Ein merklich angeschlagener einäugiger Gott nimmt Abschied von seiner Lieblingsmaid. Soll man das symbolisch sehen? Der Bundespräsident ist aus Berlin nach München gekommen, um nach der Wahl von Jutta Limbach zur neuen Präsidentin des Goethe-Instituts zwei verdiente Veteranen des deutschen Kultur(export)wesens als Präses und Vize zu verabschieden: Hilmar Hoffmann und Peter Wapnewski gehen "als Freunde", sagt Johannes Rau. Da drückt der Bundespräsident gerne die Hände, auch wenn er weiß, dass Hilmar Hoffmann sie gleich wieder aufhalten wird. Schließlich sei er "ein begnadeter Bettler".

Danach hält Rau eine jener Sonntagsreden, von denen Hoffmann zu anderen Zeiten gemutmaßt hätte, es folge ihr prompt die nächste Haushaltskürzung. Aber die Gesellschaft ist milde gestimmt. Also ist - bei Rau - weniger von den Schließungen einzelner Institute die Rede, denen zuletzt nur halb so viele Neueröffnungen gegenüberstanden, als von der Kultur als Dialog. Wenn immer nur Bach, Beethoven, Grass und andere Engels- und Bengelszungen ertönten, wäre die Welt eine friedlichere. Dass ihr solcherart zwar nach dem Krieg ansatzweise beizukommen gewesen sei, sich heute aber die Folgen einer "ins Leere gelaufenen kulturellen Kommunikation" abzeichneten, unterstreicht (miss)mutig Hilmar Hoffmann. Und es relativiert sich ihm das Wahre, Gute und Schöne, wenn er - nicht ohne Bitternis - die Kosten für den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan, 500 Millionen Euro, mit den Ausgabemöglichkeiten der Goethe-Institute, jährlich 200 Millionen Euro vergleicht.

Einen Augenblick ist es gespenstisch still im Carl-Orff-Saal. Hernach jedoch löst der jovial temperierte Peter Wapnewski den Konfliktknoten mit gut gesetzten Anekdotenhieben. Ja, damals, in Neapel, als der gastgebende Monsignore gemeinsam mit vier Hausangestellten Wapnewskis einziges Publikum abgab, oder damals, in Bangkok, als er anstelle der Exegese des Nibelungen-Liedes zu einem Exkurs über das deutsche Schulwesen genötigt wurde, in Englisch und konsekutiv übersetzt: "radawan, radawan, radawan, Wapnewski". Es war schon schön, für das Goethe-Institut die Welt ein bisschen besser zu machen. Wenn es nicht, eingedenk der Worte Hilmar Hoffmanns, schlechter wird. Aber da kommt ja schon die passende Musik.

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