Kultur : Jackie Brown ist nicht zu fassen

Quentin Tarantinos neue Film-TitelheldinOscar Wilde hat in einer Erzählung einst seine "Sphinx ohne Geheimnis" erfunden, eine auf phantastisch-mysteriöse Weise unscheinbare Dame.Auch Quentin Tarantinos neue Film-Titelheldin Jackie Brown ist dieser Typ Frau: ohne Geheimnis, doch eine schwarze Sphinx.Und dabei triumphiert sie in der South Bay von Los Angeles in einem Milieu der Dealer, Cops und Gangster durch ihre Offenheit.Wo alle falsch spielen (und nichts als Falschspiel erwarten), betrügt sie die Betrüger, indem sie bei der weißen Polizei als Lockvogel und bei dem schwarzen Killer Ordell jeweils die richtige Farbe bekennt.So spielt sie mit Schwarz und Weiß, obwohl sie alles andere ist als eine Königin im Schach und Schacher dieses Intrigenkrimis, vielmehr nur das Bauernopfer scheint.Jackie Brown, Stewardess einer viertklassigen Fluglinie, vorbestraft und schon wieder beim Kokainschmuggel ertappt, hat keine Chance mehr, also nützt sie sie doppelt.Wie das Tarantino, nach einer Romanvorlage von Elmor Leonard, als souveräne Charade inszeniert, zeigt wahre Klasse.Zwar wirkt "Jackie Brown" nicht so aberwitzig grotesk, nicht so absurd abgründig wie sein Meisterwerk "Pulp Fiction".Doch einmal mehr erweist sich Tarantino als großer Schauspieler-Regisseur.Pam Grier in der Titelrolle (Foto) tanzt mit statiöser Eleganz auf dem Vulkan; dazu gibt Samuel L.Jackson als Ordell einen fabelhaften Feuerteufel, Robert Foster spielt den stillen Liebhaber des gefallenen Engels, und Robert De Niro in einem Kleingangsterpart verwandelt eine Figur der Windstille für mörderische, grausig komische Sekunden in einen Taifun.Wir haben das schon gerühmt bei der Berlinale-Premiere von "Jackie Brown" (Tsp.am 24.2.1998).Jetzt ist die Empfehlung zu wiederholen: für alte und neue Tarantino-Fans und für Liebhaber groovigster Soul-Nummern, die diesem farbigen Schwarzweiß-Krimi den unverwechselbaren Sound verleihen. (P.v.B.)

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