Kultur : Jagger und Sammler

DAS FEST BEGINNT Die Eröffnungs-Gala am Potsdamer Platz – eine große Show der Rolling Stones

Die Stones nach Berlin locken? Das geht einfacher als mancher sich das denkt. „Die kommen alle wegen unseres Kaschmir-Schals.“ Das behauptet Dieter Kosslick ganz keck, obwohl doch fast jeder Gast der Eröffnungsgala im Berlinale-Palast gesehen haben dürfte, dass Mick Jagger schon einen Schal hat. Und der ist garantiert kein Merchandising-Artikel.

Wegen der Bären kommen die Stars schon eher. Pech, wenn dann ein Film außerhalb des Wettbewerbs läuft wie an diesem Abend „Shine a Light“ von Martin Scorsese, aber ihn und die Stones ohne Bären nach Hause schicken, geht auch nicht. Daher lässt der Dieter – Überraschung! – rasch eine „deutsche Aktentasche“ herbeiholen, zieht zwei Päckchen mit kleinen Bären heraus, einen für Martin, einen für die Band und für Charlie Watts noch einen Extrasatz roter Trommelstöcke.

Und so kommt die Feier, die zuvor eher die Ausstrahlung einer deutschen Aktentasche hatte, kurz vor Schluss doch noch in Fahrt, zumal die vier Stones auf der Bühne so munter agieren wie am Nachmittag in der Pressekonferenz, Mick wieder als Wortführer, der noch einmal betont, welche Ehre dies hier für sie sei. Natürlich sind alle längst aufgestanden und applaudieren, begeistert allein durch die Ehre, die doch auch ihnen zuteil wurde: dabeisein zu dürfen bei einem Abend, der – fast alle Vorredner hatten das irgendwie betont – nichts weniger als eine Sensation ist.

Allerdings, sensationell hatte er nicht gerade begonnen, so als hätte sich aller Glanz dieser Gala auf die vier Rocklegenden konzentriert und kaum etwas mehr übrig gelassen. Der Andrang draußen vor der Tür sprengte durchaus nicht den von früheren Galas gesetzten Rahmen, wenn auch das Publikum hörbar sehr international war, dazu im Alter gemischt von jungen Mädels bis zu ergrauten Herren der Stones-Altersklasse. Die 110 Polizisten, die die Autogrammsammler und möglicherweise entfesselte Fans in Schach halten sollten, hatten wenig zu tun, die Zeiten, in der sie noch die Waldbühne zerlegten, sind endgültig vorbei. Und so gab es gab auch nur weinige Buhrufe, als die Stones sich um ihre frierenden Anhänger wenig scherten, nur das Abschreiten der Journalistenfront absolvierten und dann im Gebäude verschwanden.

Dort hatten sich schon die üblichen Verdächtigen des deutschen Glamours versammelt, von Heike Makatsch, Mario Adorf und Christiane Paul über Tom Tykwer, Hannelore Elsner, August Diehl und Meret Becker bis zu Marius Müller-Westernhagen, Alfred Biolek, Joschka Fischer, Norbert Lammert und Claudia Roth. Die Stones-Generation war mit Neil Young und Patti Smith vertreten, auch Goldie Hawn war da und schüttelte die güldenen Locken.

Dann wurde erst mal Musik gemacht, Wir sind Helden sang „Die Konkurrenz schläft nicht“, und da hätte man erwartet, dass es so ausgelassen weitergeht. Stattdessen kam Katrin Bauerfeind, Moderatorin des Abends, durch den sie fehlerfrei führte, aber nicht gerade inspiriert. Es kam Dieter Kosslick, der das ihm mögliche, durchaus erhebliche Unterhaltungspotenzial ebenfalls bei weitem nicht ausschöpfte, es kam der Herr Staatsminister Bernd Neumann und pries wieder mal den Filmstandort Deutschland, und es kam Klaus Wowereit und hieß die „lieben Rolling Stones“ herzlich willkommen. Costa-Gavras stellte seine Schrumpf-Jury vor, und zwischendurch wurden auch noch Filmausschnitte gezeigt, von den Wettbewerbsbeiträgen und den tollen neuen Filmen, die unlängst in Berlin entstanden seien. „Valkyrie“ mit Tom Cruise war in dem Bilderreigen nicht dabei.

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