Jahresbilanz des Medienboards : Heiter bis wolkig

Das Medienboard Berlin-Brandenburg stellt seine Jahresbilanz 2015 vor. Die Gegenwart ist rosig, die Zukunft eher bewölkt.

Julius Heinrichs
Blick nach vorn. Die Geschäftsführer des Medienboards, Kirsten Niehuus und Helge Jürgens (rechts), stellen den Jahresbericht 2015 vor. Foto: Britta Pedersen/dpa
Blick nach vorn. Die Geschäftsführer des Medienboards, Kirsten Niehuus und Helge Jürgens (rechts), stellen den Jahresbericht 2015...Foto: Britta Pedersen/dpa

Eigentlich hätte das Medienboard Berlin-Brandenburg allen Grund zum grenzenlosen Optimismus. Auf seiner Jahresbilanz am Mittwoch präsentiert es ausschließlich positive Entwicklungen: 2015 unterstützte das staatliche Filmförderunternehmen 309 Filme und andere Projekte mit 30,4 Millionen Euro. Das 4,5-fache floss dank Ausgaben der Produktionsfirmen zurück in die Region. Sechs der zuletzt geförderten Filme landeten in den deutschen Kino-Top 10. Mehr noch: Für „Grand Budapest Hotel“ und "Bridge of Spies" gab's vier Oscars, für „Victoria“ sechs LOLAs. Auch der deutsche Oscar-Kandidat „Toni Erdmann“ sowie die fünfte Staffel „Homeland“ erhielten Medienboard-Gelder.

„Derzeit läuft es gut am Film- und Serienstandort“, erklärt denn auch Förder- Chefin Kirsten Niehuus. „Berlin-Brandenburg ist eine attraktive Location mit begehrten Originalmotiven und fantastischen Studios.“ Vorerst wird das auch so bleiben. Gerade dreht Tom Tykwer sein mehrteiliges Großprojekt „Babylon Berlin“, während nebenan die Lummerland- Aufbauten für Dennis Gansels „Jim Knopf“-Verfilmung laufen.

Deutsche Förderlandschaft zu unübersichtlich

Woran scheiterte der Optimismus also? Der Zukunft wegen. Björn Böhning, Chef der Berliner Senatskanzlei, spricht von „trüben Wolken.“ Denn während Osteuropa, Kanada, Großbritannien und Frankreich ihre Filmförderung immer weiter ausbauen, sähen sich Produzenten in Deutschland einem großen „Förder-Wirr-Warr“ gegenüber. Jedes Land hat seine Töpfe, der Bund noch einmal ein ganzes Potpourri. „Damit ist es für Internationale schwer, die Deutsche Förderlandschaft einschätzen zu können.“ Änderung jedoch sei bis 2018 nicht zu erwarten – frühestens. Außerdem gelte es, sich dem geänderten Nutzerverhalten anzupassen. „Man kann nicht so tun, als gäbe es Film nur im Fernsehen und im Kino“, sagte Niehuus, „und nicht auch online – Stichwort Streaming. So tickt die Welt nicht mehr.“ Der Film befinde sich im Wandel. Ihn zu verschlafen wäre fatal. Nur braucht es dafür finanzielle Stärke. Dafür wünscht sich das Medienboard Unterstützung vom Bund, aber auch vonseiten der Streamingdienste. Weil diese ihren Sitz meist im Ausland haben, sind Verhandlungen schwierig. Aber sie laufen.

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