Kultur : James Bond trägt Zöpfe

Frank Noack

Bereits die erste Einstellung ist missglückt. Sie zeigt ein Indianerdorf bei Nacht und ist so grässlich ausgeleuchtet, dass man eine handkolorierte Postkarte zu sehen glaubt. Dann hat Pierce Brosnan seinen Auftritt, als Halbblut mit Zöpfen. Die IndianerKomparsen lächeln ihn an, was signalisiert: Der Mann ist beliebt. "Grey Owl" ist ein Film, der alles erklärt, ein Stück Schulfernsehen. "Sind Sie Archie Grey Owl?" fragt ein Fremder. "Ja, der bin ich", antwortet Brosnan. "Erzählen Sie doch mal aus Ihrem Leben." Und genau das tut er dann. Solch simple Dramaturgie hätte man von Sir Richard Attenborough nun nicht gerade erwartet.

"Grey Owl" spielt 1934 in Kanada und soll die Konflikte der Indianer in der ihnen aufgezwängten Zivilisation darstellen. Zweifellos ein interessantes Thema - zudem ein persönliches Anliegen für den Öko-Aktivisten Brosnan und Sir Richard, der in der Vergangenheit bereits sein Herz für Inder ("Gandhi") sowie Schwarze in Südafrika ("Cry Freedom") gezeigt hat. Leider weiß Seine Lordschaft nicht, wie man die Natur inszeniert. Potenziell atemberaubende Landschaften wirken flach wie eine Tapete. Wie soll man dem Helden abnehmen, dass er die Natur der Großstadt vorzieht, wenn die Natur erst gar nicht existiert?

Wenigstens hat Sir Richard ein Herz, besonders für Tiere. Mit einer von den Mohawks abstammenden Frau namens Pony (Annie Galipeau) verbringt Grey Owl ein paar Wochen in einer abgelegenen Waldhütte - und damit die beiden nicht auf dumme Gedanken kommen, laufen ihnen zwei süße Biberbabys zu. Der passionierte Jäger Grey Owl muss umdenken. Nachdem ein Biberlein in einer von ihm gestellten Falle verendet, schwört er: "Nie wieder! Keine Fallen mehr!" Und Pony freut sich: "Ich liebe dich, Archie". Man möchte über den Film herzlich lachen; statt dessen regt sich Mitleid angesichts so viel zur Schau gestellten Biedersinns.Filmbühne Wien, Kosmos, Village Cinema Kulturbrauerei, Zoo Palast

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