Kultur : James Cagney zum 100.

Rasende Zeiten waren das, die dreißiger und vierziger Jahre, in denen auch die Beziehungen zwischen den Geschlechtern mit Gewalt aufgeladen zu sein schienen: Da konnte einem Mann schon mal die Hand ausrutschen. James Cagney, der hier in dem Film "Blood on the Sun" (1946) mit Silvia Sidney aneinandergerät,
war unter den klassischen Gangsterdarstellern Hollywoods derjenige, von dem die größte Aggressivität ausging. Er hatte kein Pokerface wie Humphrey Bogart, sein Machtanspruch verschwand nie unter der Maske der Jovialität wie bei Edward G. Robinson, bei Cagney lösten die Affekte immer unmittelbare körperliche Aktionen aus. Berühmt machte ihn eine Szene in "The Public Enemy" (1931), in der er am Frühstückstisch eine Grapefruit im Gesicht seiner Partnerin Mae Clarke ausdrückte. Cagneys Verhältnis zu den Frauen blieb schwierig: In "Lady Killer" (33) zog er seine Geliebte an den Haaren über den Boden, in "White Heat" (49) brach er aus dem Gefängnis aus, weil seine Mutter im Sterben lag. Einen "kleinen Mann, dessen ganzer Körper wie permanent eregiert wirkte" hat ihn Kurt Scheel genannt. Cagney kam vom Vaudeville und trat in den zwanziger Jahre am Broadway auf. Singen, tanzen, schnell sprechen: Rüstzeug, das er später in Komödien wie "The Bride came C.O.D." (41) brauchen konnte. Auch die Rolle, mit der er sich von der Leinwand verabschiedete, war eine komische: In Billy Wilders "Eins, Zwei, Drei" (61) brachte er als Coca-Cola-Manager den schwarzen Sirup in die Mitropa-Zone. Heute würde Cagney, der 1986 starb, 100 Jahre alt. ( chs) Foto: United Artists

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