James Hanley: "Ozean" : Toter Mann an Bord

Kurz nach dem Erscheinen vom James Hanleys „Fearon" erscheint nun der Kriegsroman "Ozean" in Deutschland. Auf ein Bott gerettet suchen drei Männer nach dem Ziel am Horizont.

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Cover des Buches "Ozean"
Cover des Buches "Ozean"Foto: Promo

Ist das schon eine Hanley-Renaissance? Nachdem Anfang des Jahres die deutsche Erstausgabe seines Coming-of-Age-Meisterwerks „Boy“ unter dem Titel „Fearon“ herausgekommen war , folgt nun der Abenteuerroman „Ozean“ aus dem Jahr 1941. James Hanley, 1895 als Sohn irischer Einwanderer in Liverpool geboren und 1985 in London gestorben, wurde mit Hemingway verglichen und von Faulkner gepriesen. Er ist ein paar Jahre als Matrose zur See gefahren und hat ein beachtliches Werk von zwei Dutzend Romanen geschaffen, das trotz mehrerer Versuche im deutschsprachigen Raum nie richtig angekommen ist. Hoffentlich jetzt.

„Es war eine Welt, vor der er seine Augen zusammenkniff, ein erschütterndes Blau“. Joseph Curtain ist noch einmal davongekommen. In der Nacht zuvor hat das Torpedo eines deutschen U-Bootes sein Schiff, die „Aurora“, versenkt, und ein Großteil der Überlebenden wurde – „in bester deutscher Manier“ – von Maschinengewehrsalven getötet. Curtain, ein erfahrener Seemann, hat es auf ein Rettungsboot geschafft, mit vier weiteren Schiffbrüchigen. Wobei einer davon schon tot ist, er liegt zugedeckt unter einer Plane.

Rudern ohne Ziel

„Wir haben Wasser, eine Dose mit Zwieback und drei Dosen Milch.“ Also fast gar nichts. Die Lage ist hoffnungslos, doch die Männer – „einer schläft, einer nicht ganz richtig im Kopf, einer fürchterlich seekrank“ – rudern abwechselnd um ihr Leben. Wohin? Sie besitzen weder ein Funkgerät noch Karten. Das Ziel bleibt so verschwommen wie die Horizontlinie.

Hitchcock hat aus einem ähnlichen Setting den Propagandafilm „Life Boat“ gemacht. Bei Hanley sind Gut und Böse weniger klar verteilt. „Ozean“ ist ein langer, unheroischer Trip in die Sinnlosigkeit. „Ein Tag verging, die Nacht kam, die Nacht verging: Und das Boot kroch dahin, ein Insekt auf dem Ozean, glatt und geräuschlos.“ Nirgends ist die Einsamkeit größer als auf dem Wasser.

James Hanley: Ozean. Roman. Deutsch von Nikolaus Hansen. Dörlemann Verlag, Zürich 2015. 280 Seiten, 23 €.

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