James Last : Gute Laune machen

Er versöhnte Mozart mit den Stones und brachte die Welt zum Tanzen: James Last wird 80.

Christian Schröder
Last
James Last -Foto: dpa

Zur alten Bundesrepublik gehört er dazu wie die Pril-Blume, der Käse-Igel und der VW Käfer. Wie viele Platten James Last verkauft hat, weiß er selber nicht so genau. Es müssen zwischen 80 und 100 Millionen sein. Die Idee, die den Sohn eines Gasablesers zum erfolgreichsten Bandleader der Welt machte, war schlicht genial: die Potpourrisierung des Pop. Als die Tanzorchester auszusterben beginnen, ist er der Erste, der die Hits der Beatles und Byrds für eine Instrumentalformation arrangiert. 1965 erscheint sein erstes „Non Stop Dancing“-Album, bei dem die Titel, unterlegt mit Partygeräuschen, nahtlos ineinander übergehen.

Der Erfolg ist überwältigend, denn dieser „Happy Sound“ überwindet locker alle Barrieren zwischen U- und E-Kultur und macht bald vor nichts und niemandem mehr halt. Auf dem Höhepunkt seiner Produktivität nimmt Last bis zu elf LPs pro Jahr auf, die programmatisch „Trumpet A Gogo“, „Beachparty“ oder „Classics Up To Date“ heißen. Mozart versöhnt der Gute-Laune-Macher mit den Monkees; eine Musik, die sich nicht in James-Last-Musik verwandeln ließe, ist schlichtweg unvorstellbar.

Hans Last, der heute vor 80 Jahren in Bremen geboren wurde, begeisterte sich früh für den Jazz und begann eine Ausbildung an der Heeresmusikschule Bückeburg. Bei Kriegsende wird er nicht an die Front, sondern nach Hause geschickt. Er spielt in amerikanischen Army-Clubs, wird Mitglied im Tanzorchester von Radio Bremen, wechselt zum NWDR nach Hamburg, wird mehrmals zum deutschen „Jazz-Bassisten des Jahres“ gewählt. Er tourt mit dem Geiger Helmut Zacharias durch Europa, komponiert und arrangiert für Freddy Quinn, Caterina Valente und Peter Alexander. Aber das ist ihm nicht genug. „Ich wollte nicht den Rest meines Lebens in dermaßen vorhersehbaren Bahnen verbringen und der Mann im Hintergrund sein, der sich für andere die Finger wund schrieb“, erinnert er sich.

Last lässt sich beim Sender beurlauben und unterschreibt einen Vertrag bei der Polydor. Die Plattenfirma verpasst ihm einen neuen Vornamen: James Last. Das klingt international, und der internationale Erfolg lässt nicht lange auf sich warten. Heute hat der Orchesterchef Fans in England, Japan und Brasilien. Er lebt in Florida, doch den Durchbruch in Amerika hat er nicht geschafft. Dabei ist eine seiner besten Platten 1975 in Los Angeles entstanden, zusammen mit einigen der berühmtesten amerikanischen Sessionmusikern. Das „Well Kept Secret“ – so der Titel – enthält avantgardistische Moog-Synthesizer-Spielereien und funkige Versionen von Ravels „Bolero“ und Cole Porters „Love For Sale“. Damals floppte das Album, bei seiner Wiederveröffentlichung im letzten Jahr wurde es gepriesen.

Eigentlich hatte James Last vor drei Jahren seiner Rücktritt von der Bühne verkündet. Jetzt aber geht er noch einmal auf eine große Tour, die ihn am 25. April auch nach Berlin führen wird. „Musik ist meine Droge“, sagt er. Christian Schröder

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