James-Simon-Preis : Große Gaben

Der bayrische Mäzen Wilhelm Winterstein hat am Dienstag in Berlin den James-Simon-Preis überreicht bekommen.

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Wilhelm Winterstein
Wilhelm WintersteinFoto: Susan R. Skelton

Ein „bissel geniert“ zeigt sich Wilhelm Winterstein über die Ehrung mit dem James-Simon-Preis, der ihm am Dienstag in Berlin überreicht wurde. Die Bemerkung, süddeutsch intoniert, ist gleichwohl Ausdruck des bayerischen Charmes, den der Bankier mit seinen Dankesworten verströmt. Mit ihrer Mischung aus Understatement und Liebenswürdigkeit erweist sich der 85-Jährige als würdiger Träger der Auszeichnung, die zum vierten Mal verliehen wurde, im Gedenken an den großen deutsch-jüdischen Berliner Mäzen, dem die Stadt unter anderem die Notfretete verdankt.

Staatliche Museen wie die Alte und die Neue Pinakothek oder das Nationalmuseum in München zählen zu den Empfängern von Wintersteins Spenden, ebenso die Kunstsammlungen der Klassik Stiftung Weimar, deren Graphische Sammlung er mit zahlreichen Schenkungen bedachte. Auch ein Kleinod wie das Franz Marc Museum in Kochel am See ist dabei, das nun seine Tochter leitet. Zudem hat sich Winterstein in zahlreichen ehrenamtlichen Gremien engagiert, die Kunst- und Bildungseinrichtungen fördern.

„Ein deutscher Spross aus Simons Stamm“

Der Preisträger ist „ein deutscher Spross aus Simons Stamm“, wie Hellmut Seemann, Präsident der Klassik Stiftung Weimar, in seiner Laudatio formuliert. Vor allem aber steht er für die Prägekraft und Reichweite des bayrischen Bildungsbürgertums. Als Neffe des Bankiers August von Fink kam er zu seinem Beruf, den er höchst erfolgreich ausübte, väterlicherseits gehört er zu einer künstlerisch engagierten Familie: Wintersteins Vater war Kunstsammler, der Großvater Ministerialdirektor im bayerischen Kulturministerium. Von dort führt eine kleine, episodenhafte Spur in die Berliner Kunstepoche, zu der auch James Simon gehörte: der Namenszug des Großvaters stand 1909 unter der Ernennungsurkunde für Hugo von Tschudi als Direktor der Staatlichen Galerien in München. Zuvor war Tschudi Direktor der Berliner Nationalgalerie, wo er vor allem die französische Malerei gefördert hatte - bis die kaiserliche Gunst sich wandelte. Ein familiäres Moment zeichnete auch die Festversammlung aus: An ihr nahm auch ein in den USA geborener Neffe von James Simon teil – sichtlich bewegt begrüßt ihn Peter Raue, der Vorsitzende der den Preis ausrichtenden James-Simon-Stiftung, und der Preisträger ehrt ihn mit einer englischen Adresse. Aber als James-Simon-Gemeinde empfindet sich das Festpublikum im Gobelinsaal des Bode-Museums ohnedies.

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