Kultur : Jan de Bonts Remake nach Robert Wises "Haunting"

F.N.

Jan De Bont, der Regisseur von "Speed" und "Twister", liebt es bunt, laut und teuer. Das funktioniert wunderbar, solange die Form zum Inhalt passt. Doch diese Geschichte einer Gruppe von Menschen, die in einem verhexten Haus gefangen sind, verlangt ein Talent fürs Subtile. Robert Wise besaß dieses Talent, als er dieselbe Geschichte 1963 verfilmte. Beide Versionen heißen im Original "The Haunting". Die deutschen Titel - "Bis das Blut gefriert" bei Wise und "Das Geisterschloss" bei De Bont - machen den Unterschied zwischen Erstverfilmung und Remake deutlich. De Bonts High-Tech-Spektakel lässt kein Blut gefrieren und hat dafür den Reiz einer Schlossbesichtigung. Thema: ein psychologisches Experiment, das außer Kontrolle gerät. Patienten mit Schlafstörungen sollen unter Anleitung eines Therapeuten geheilt werden. Was den Patienten und den bedauernswerten Zuschauern geboten wird, ist ein Erlebnispark mit Drehbühnen, wehenden Vorhängen, sprechenden Kopfkissen und steinernen Figuren, die sich plötzlich bewegen. Auch die digitalen Effekte, mit denen de Bont beeindrucken will, reißen niemanden mehr vom Hocker.

Unter den widrigen Umständen bietet Lili Taylor, Star zahlreicher Independent-Filme ("I Shot Andy Warhol"), eine hervorragende Leistung als krankhaft introvertierte junge Frau, die zu den Geistern in dem 130 Jahre alten Haus eine übersinnliche Beziehung aufbaut. Es spricht für den schlechten Geschmack der Verleiher, dass sie Lili Taylor in der Werbung mit keinem Wort erwähnen, obwohl sie die Hauptrolle spielt. Statt ihrer wird mit Liam Neeson geworben, der lustlos durch die Rolle des Therapeuten schlafwandelt, und mit Catherine Zeta-Jones, die als gutgelaunte Lesbe immerhin schöne Kleider vorführen darf.In 20 Berliner Kinos; Originalversion in der Kurbel und im Cinemaxx Potsdamer Platz

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