Jane-Austen-Verfilmung "Stolz und Vorurteil" : Bridget war hier

Romantik nach Jane Austen: „Stolz und Vorurteil“ mit Keira Knightley

Christina Tilmann

Eine der lustigsten Szenen in Helen Fieldings „Bridget Jones“ erzählt, wie ihre Heldin den von ihr verehrten britischen Schauspieler Colin Firth interviewt. In der BBC-Verfilmung von Jane Austens „Stolz und Vorurteil“ habe er als Mr. Darcy nur im Hemd in einen See springen müssen, wie das denn gewesen sei... Dazu muss man wissen, dass das gesamte Konstrukt von „Bridget Jones“ auf Jane Austens Klassiker beruht: Bridget ist ein Mauerblümchen, das von der Mutter verkuppelt werden soll und sich erst in den Falschen verliebt, während Mr. Right ihr von Anfang an unsympathisch ist. Diesen, den Anwalt Mark Darcy (!), mit dem Bridget sich so inbrünstig zofft, spielt in der Verfilmung natürlich: Colin Firth.

Die Geschichte ist offenbar nicht totzukriegen. Die kostümtechnisch bis in die letzte Schleife liebevoll ausgestatteten BBC-Verfilmungen der Jane-Austen-Romane gehören in England zur guten Tradition, die letzte von 1995 erlebt als DVD derzeit auch in Deutschland eine Renaissance. Schauspieler wie Laurence Olivier oder Katharine Hepburn haben sich des Stoffs angenommen. Und Aktualisierungen wie „Bridget Jones“ oder zuletzt die Bollywood-Version „Liebe lieber Indisch“ spielen den geistvollen Kampf der Geschlechter mit Untertönen von Kolonialismus oder Soap-Opera aus.

Doch nicht genug der Verknüpfungen: Nun haben die Macher der „Bridget Jones“-Filme noch ihre Kinoversion von „Stolz und Vorurteil“ vorgelegt. Doch leider sind weder Renee Zellweger noch Colin Firth mit von der Partie. Die Rolle der Elizabeth, Jane Austens widerspenstige Hauptfigur und heimliches Alter Ego, spielt die seit „Fluch der Karibik“ hoch gepriesene britische Schauspielerin Keira Knightley. Und sie spielt sie nicht schlecht: mit einer blankäugigen Kessheit, die Lizzie gut zu Gesicht steht – und einer gehörigen Portion Romantik dazu. Sie schaukelt verträumt am Hoftor und rennt in Schlamm und Regen über die Wiesen, sie widerspricht der eingebildeten Lady Catherine de Bourg und leidet still vor sich hin, wenn Mutter und Familie sich gar zu peinlich aufführen.

Mit ihr steht und fällt der Film. Die Rolle der Lizzie ist eine Herausforderung für nuanciertes Spiel: Intelligent soll sie sein – allerdings in Maßen – und gerade so unangepasst, dass sie auffällt in der engen Gesellschaft des 18. Jahrhunderts. Keira Knightley ist all das – und noch mehr: sie ist hübsch, deutlich hübscher als alle anderen. Warum also ihre ältere Schwester Jane der umschwärmte Star aller Tanzvergnügungen ist, während sie in der Ecke stehen bleibt, warum Darcy auch nur einen Moment zögert, sich in sie zu verlieben, warum sie gesellschaftlich aus dem Rahmen fällt, all das wird nicht deutlich. Lizzie ist ein reizendes Wesen – eine Revolutionärin ist sie nicht. Die Schärfe, die bei aller Romantik in Jane Austens Romanen liegt, der funkelnde Sprachwitz und die unterschwellige Verzweiflung einer unverheirateten, mittellosen Frau – all das ist in der Neuverfilmung nicht mehr zu spüren.

Wie auch? Regisseur Joe Wright hat nach eigenem Bekunden das Buch nicht gelesen – und in Jane Austen eine erste englische Realistin entdeckt. Und deren Welt sucht er so getreu wie möglich zu rekonstruieren. Also laufen die Schweine über den Hof, der Putz blättert von der Wand, man marschiert in Stiefeln übers Parkett, der umschwärmte Junggeselle Charles Bingley (Simon Woods) ist ein ausgesprochener Hohlkopf, und auch die für ihn schwärmende Jane Bennet (Rosamund Pike) auch nicht viel besser. Was aber noch schlimmer ist: Mr. Darcy (Newcomer Matthew Macfadyen) ist eine ausgesprochen blasse Figur. Da mag der Nebel noch so sehr wallen, der Regen peitschen und die Geigen seufzen, wenn er über die englischen Wiesen schreitet – zwischen ihm und Lizzie fliegen nie so richtig die Funken, und statt des Kraftfelds im Zentrum des Romans ist nur eine große Leere zu spüren.

Daran scheitert letztlich der Film, dass er so eine wohl dekorierte, unaufregende Mittellage behält. Weder taugt er zur bösen Karikatur, auch wenn Brenda Blethyn als kuppelsüchtige Mutter, Donald Sutherland als resignierter Vater und Judi Dench als snobistische Lady Catherine de Bourg ihr Bestes geben, noch fliegen im Kampf der Geschlechter wirklich die Fetzen. Das Einzige, was hemmungslos ausgereizt wird, ist der Romantik-Aspekt: Da geht, schon im Vorspann, leuchtend die Sonne auf, und ebenso leuchten Englands grüne Wiesen. Good old England. Lizzie, die die Beschränktheit ihrer Verhältnisse so drückend empfindet, hätte sich mit Grausen abwenden müssen. Ihre Schöpferin Jane Austen wahrscheinlich auch.

In 14 Berliner Kinos, OV im Cinestar Sony-Center, OmU im Odeon

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