Jane Birkin wird 70 : Schau in die Kamera!

Filme, Skandale – und das wirkliche Leben: der Schauspielerin und Sängerin Jane Birkin zum 70. Geburtstag.

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Die Einzigartige. Jane Birkin auf einer Wiese, aufgenommen 1970.
Die Einzigartige. Jane Birkin auf einer Wiese, aufgenommen 1970.Foto: dpa

Stimmt es, dass auf Jane Birkins Klavier eine ausgestopfte Ratte steht? Hat sie die Asche ihres ersten Ehemannes eigenhändig auf dem Montmartre verstreut? Lässt sie Schnittblumen am liebsten im Cellophanpapier vertrocknen? Könnte sein, muss aber nicht. Die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Wunschwelt verfließen in Agnès Vardas fiktionalem Biopic „Jane B. Par Agnès V.“. Hatte die Hauptdarstellerin eben noch von den Babyfotos erzählt, die in ihrem Treppenhaus hängen, „25 Fotoalbumblätter verteilt auf drei Etagen“, wird sie bald darauf als Jeanne d’Arc auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Manchmal befiehlt die Regisseurin aus dem Off „Schau, in die Kamera, Jane!“, und der Zuschauer fragt sich, ob das auch bloß eine Dialogzeile aus dem Drehbuch ist.

Die Asche ihres ersten Gatten kann die Schauspielerin übrigens schon deshalb nicht zum Montmartre getragen haben, weil der James-Bond-Filmkomponist John Barry noch lebte, als Varda 1987 ihren Film drehte.

Aus einem artigen Kind wird Jane Blow Up Birkin

Birkin hatte Varda einen Brief geschrieben, um ihr die Bewunderung für ihren Film „Vogelfrei“ zu übermitteln. Varda gefiel an dem Brief vor allem, dass sie kein Wort der Handschrift entziffern konnte, traf sich mit Birkin und zog dann für fast ein Jahr ins Haus der Schauspielerin im Pariser Quartier Saint-Germain-des- Prés ein, um mit ihr zu leben und zu arbeiten. Jane Birkin, die am 14. Dezember 1946 in London als Tochter eines Marineoffiziers und einer Schauspielerin geboren wurde, legt Wert auf die Feststellung, dass sie ein „artiges Kind“ gewesen sei. Sie besuchte ein Mädcheninternat, und ihre Eltern hatten ihr streng verboten, Clubs zu besuchen.

Aber schon 1966 löste sie mit ihrem Auftritt als Nymphchen-Model in Michelangelo Antonionis Swinging-London-Film „Blow Up“ einen Schamhaarskandal aus: „Zwanzig Sekunden lang waren alle meine Haare zu sehen, und die Engländer nannten mich danach nur noch Jane Blow Up Birkin“.

Sexduett mit Bann des Papstes

Sie floh nach Paris und lernte bei den Dreharbeiten zum Liebesfilm „Slogan“ ihren späteren Lebensgefährten Serge Gainsbourg kennen. „Am Anfang fand er mich nicht so toll, das Weitere stand in allen Zeitungen.“ Das Weitere war erst einmal der nächste Skandal, als Birkin mit Gainsbourg das Sexduett „Je t’aime ... moi non plus“ aufnahm, einen Song wie ein Liebesakt. Der Papst sprach einen Bannfluch über das Stück aus, die meisten Radiostationen boykottierten es.

Mit Gainsbourg veröffentlichte Birkin das retrofuturistische Popmeisterwerk „Histoire de Melody Nelson“, ein Konzeptalbum über ein Mädchen, das von einem Rolls-Royce angefahren wird, mit ihm bekam sie die Tochter Charlotte Gainsbourg, die seit vielen Jahren ebenfalls als Schauspielerin und Sängerin arbeitet.

„Ich habe kein Vertrauen in Filmkameras oder Bühnen“

Knapp fünfzig Filme hat Jane Birkin bislang gedreht, darunter Meilensteine wie Rivettes Balzac-Verfilmung „Die schöne Querulantin“ und Komödientrash wie „Der lange Blonde mit den roten Haaren“. „Wenn ich an einige Filme denke, die ich gemacht habe, glaube ich, dass ich im echten Leben besser war“, erzählt sie. „Das wirkliche Leben ist, worin ich am besten bin. Ich habe kein Vertrauen in Filmkameras oder Bühnen.“

Die Rolle des Sexsymbols hat Birkin, die weiterhin Platten aufnimmt und inzwischen auch Regie führt, stets zurückgewiesen. „Manchmal signiere ich heute noch das Foto, auf dem ich nackt an eine Heizung gefesselt bin“, sagte sie der „Zeit“. „Ich finde mich darauf sehr schön. Aber tatsächlich gibt es, glaube ich, selbst heute keine Schauspielerin, die so etwas tun würde.“ Jane Birkin ist wirklich einzigartig. An diesem Mittwoch wird sie 70 Jahre alt.

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