Kultur : Japan-Jojo

Stadtwestern aus Fernost: „Tokyo Godfathers“

Sebastian Handke

Nein, „Tokyo Godfathers“ ist keine Yakuza-Ballade, sondern die Adaption des Weihnachts-Westerns „Three Godfathers“. John Fords Personal musste freilich einige Korrekturen über sich ergehen lassen. Statt drei hart gekochter Desperados treten auf: der ruppige Alkoholiker und Ex-Radrennfahrer Gin, die junge Ausreißerin Miyuki sowie – in der Rolle John Waynes – die alternde Drag-Queen Hana. Drei Ausgestoßene, die in den verschneiten Straßen Tokios eine recht zänkische Behelfsfamilie bilden. Am Weihnachtsabend finden sie ein ausgesetztes Kind. Tunte Hana lässt ihren Mutterinstinkten freien Lauf und feiert das Wunder der unbefleckten Empfängnis, dann machen die drei sich aber doch auf die Suche nach den Eltern des Findlings. Dabei geraten sie in Tokios Unterwelt und setzen auch die eigenen, gescheiterten Familiengeschichten zusammen. Satoshi Kon, dessen Animationen Madonna für ihre Bühnenshows verwendet, ist einer der großen japanischen Animationsfilmkünstler in der Generation nach Hayao Miyazaki („Das wandelnde Schloss“). Doch haben seine Geschichten mit Miyazakis Märchenwelten ebenso wenig gemein wie mit dem Techno-Pop der Cyberpunk-Schule. „Tokyo Godfathers“ steht eher in der Tradition von Charles Dickens – zauberhaft altmodisch, erdig und detailreich. Ein etwas seltsamer, aber warmherziger Weihnachtsfilm – mit einem mitreißenden Actionfinale, das auch Jackie Chan nicht besser hinbekommen hätte.

Kino Eiszeit (OmU)

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