Kultur : Japan oder Amerika?

KINO

Jens Mühling

Ein Film wie ein Überraschungs-Ei: Gleich drei Geschichten stecken in Welcome Back, Mr. McDonald , und dennoch ist eine runde Sache daraus geworden. Geschichte Nummer eins: das Hörpiel-Manuskript einer japanischen Hausfrau. Eine Liebes-Schmonzette, die nur deshalb den Drehbuch-Wettbewerb eines Radiosenders gewinnt, weil kein anderer Eingang vorliegt. Dementsprechend lustlos geht der Sender bei der Realisierung vor. Geschichte Nummer zwei: Weil sich die Hauptdarstellerin nicht mit ihrer glanzlosen Hörspielrolle abfinden mag, spinnt sie sich eigenmächtig (und live) eine Existenz als amerikanische Strafverteidigerin zusammen – und nötigt Mitspieler und Techniker zur Improvisation. Dank der Unzulänglichkeiten einer Echtzeit-Produktion zieht jeder weitere Eingriff ins Drehbuch Kettenreaktionen nach sich. Ausgesprochen filmischer Natur ist Geschichte Nummer drei. Während die Akteure um Aufnahmedisziplin ringen, spielt sich jenseits der Tonspur eine ganz andere Geschichte ab – ein pantomimisches Drama aus Kichern, lautlosem Fluchen, ungehörten Stoßseufzern. Vieles an diesem Minenspiel ist so japanisch, so liebenswert unverständlich und fremd, dass uns Mitteleuropäern auch die Untertitel nicht weiterhelfen – denn die übersetzen eben nur die Tonspur.

Bereits 1997 hat Koki Mitani seinen Film gedreht. Erst jetzt hat sich ein deutscher Verleih gefunden. Und das, obwohl Mitani betont, er habe eine „möglichst westliche“ Geschichte erzählen wollen, eine „echt amerikanische Komödie“. Man kann nur hoffen, dass ihm das auch in Zukunft derart charmant misslingt (OmU im fsk).

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben