Kultur : Japanischer Donnerhall

VOLKER LÜKE

Wenn der mächtige Thor das Donnern erfunden hat, dann müssen die Musiker der japanischen Trommlergruppe Ondekoza seine irdischen Brüder sein.Seit über 20 Jahren schon begeistert das Ensemble die Welt mit dem Fell-Donner gewaltiger Taiko-Trommeln, die sie durch die Länder tragen, gestählt durch strenge Askese, Meditation und Marathonläufe.Nachdem sie bereits von 1990 bis 93 die USA durchstiefelt haben, startete die Gruppe im letzten Jahr ihr zweites Laufabenteuer quer durch China, das bis zum Jahr 2000 beendet sein soll und nun für ein Konzert im ausverkauften Tempodrom unterbrochen wurde.Nicht nur schön anzuhören, sondern auch schön anzusehen, wie diese durchtrainierten Bruce-Lee-Körper im Sumo-Dress mit beeindruckender Präzision wuchtige Links-Rechts-Kombinationen auf die Felle dreschen.Ondekoza verbinden ihre martialische Trommelshow mit größtmöglichen Spaß und von dem Moment abgesehen, in dem mit einer "Hänschen-Klein-Muß-I-denn"-Melodie etwas Musikantenstadl-Atmosphäre aufflackert, erleben wir einen äußerst kurzweiligen Konzertabend.Auch die wunderschönen Laute einer Shakuhachi-Flöte und Koto-Harfe fehlen nicht, die kleine Verschnaufpausen bieten, bis im nächsten Moment wieder mit geballter Kraft und Herrlichkeit zugeschlagen wird.Das Publikum lauscht ergriffen diesem "Tribal Beat", dem Schlag der Gewitter-Trommeln, die vom Landregen erzählen, eine gute Ernte beschwören und das Einsetzen der Regenzeit herbeirufen.Der Applaus war wie Donnerhall.

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