Kultur : Jatin/Lalit

Diese Woche auf Platz 35: „In Guten wie in schweren Tagen“

Ralph Geisenhanslüke

Deutsche Filmverleiher werden häufig für ihre holprigen Übersetzungen geschmäht. Aber bei Karan Johars Film dürften auch Originalversion-Stalinisten verstummen. „Kabhi Khushi Kabhie Gham“ wurde selbst in Johars Heimat Indien abgekürzt als „K3G“. Der englische Titel lautete „Sometimes Happy, Sometimes Sad“. Wer einmal die Hindi-Version gesehen hat, wird auch für die deutsche Übersetzung dankbar sein. „In Guten wie in schweren Tagen“ – das erinnert zwar an die Vorabend-Soap „Gute Zeiten Schlechte Zeiten“. Aber „K3G“ ist ein paar Nummern größer: Dieser Film ist ein ganzer Ozean voller Seifenblasen. Dreieinhalb Stunden allerfeinster Breitwand-Kitsch. Keine Tanzszene mit weniger als 100 Leuten im Bild – und zwar ohne Software-Tricks. Es wird in einem fort gesungen, getanzt und geweint.

„K3G“ ist wie ein Abend mit fünf Tafeln Schokolade: ein Film, dessen Zweck darin besteht, die Ausschüttung von Glückshormonen zu veranlassen. Lata Mangeshkar singt den Titelsong des Komponisten- Duos Jatin/Lalit. Sie ist mit 25 000 Aufnahmen so etwas wie die weibliche Stimme Indiens. „In Guten wie in schweren Tagen“ lief vor eineinhalb Jahren im Kino. Doch seit der Film im Dezember bei RTL ausgestrahlt wurde, scheint der Bedarf nach akustischen Glückshormonen stetig zu wachsen. Die werden nun auch bei dem kleinen, feinen, auf Soundtracks spezialisierten Label Normal in Bonn ausgeschüttet. Schön für alle. Es ist schließlich Winter.

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