Kultur : Jauchzet, frohlocket!

Die rot-rote Koalition hat gute NachrichtenfürBerlinsKulturszene

Frederik Hanssen

Das ist ja kaum auszuhalten: So viele frohe Botschaften – und alle betreffen die gebeutelte Hauptstadtkultur. Zum Beispiel die Schaubühne. Lange warb Geschäftsführer Jürgen Schitthelm um eine Anhebung des Etats, weil mit dem jetzigen Zuschuss das Doppelprogramm von Schauspiel und Tanz nicht zu halten sei. Nun hat der Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses beschlossen, die Subventionen für das Haus am Lehniner Platz um 400000 Euro jährlich aufzustocken. Das ist zwar nicht die Summe, die sich Schitthelm wünschte – in der aktuellen Situation aber eine Entscheidung von hohem Symbolwert. Ebenso wurden die Zuwendungsverträge für sieben konzeptgeförderte Bühnen freigegeben: Sophiensäle, Neuköllner Oper, Renaissance-Theater, Tribüne, Vaganten-Bühne, Theater 89 und das Kleine Theater am Südwestkorso können nun bis 2008 planen.

Auch das Grips-Theater erhält künftig 150000 Euro mehr pro Jahr vom Berliner Senat. Nicht ganz so rosig sieht es für Berlins zweite große Kinder- und Jugendbühne aus: Beim Carrousel-Theater wurde die ursprünglich vorgesehene Zuschuss-Sperre von 25 Prozent für das laufende Jahr zwar nicht verhängt, dafür sind aber 2005 sämtliche Mittel blockiert. Damit macht der Ausschuss deutlich, dass er von Kultursenator Thomas Flierl ein Konzept zur Zukunft des Hauses erwartet. Im Kulturausschuss betonte Flierl gestern, er wolle auch nach dem Ausscheiden des Intendanten Manuel Schöbel das Carrousel auf jeden Fall „als Standort“ erhalten.

Schwerpunktthema zum Wochenstart war im Abgeordnetenhaus aber die Rundfunkorchester und -chöre GmbH (ROC): jene Musikholding, unter deren Dach das Deutsche Symphonie-Orchester, das RundfunkSinfonieorchester, der RIAS-Kammerchor und der Rundfunkchor zusammengefasst sind. Auf Einladung der Parlamentarier war die komplette Führungsspitze angereist – und alle lobten die seit ihrer Gründung 1994 heftig umstrittene Konstruktion. Vor allem der Intendant des Deutschlandradios, Ernst Elitz, breitete in einer eindringlichen Rede die Vorteile der ROC für die Hauptstadt aus. Obwohl das Land Berlin nur 20 Prozent zum Etat beisteuern müsse (der Rest kommt vom Bund, vom RBB und eben vom Deutschlandradio), habe es doch den größten Nutzen von den beiden Chören und den Orchestern.

Nachdem auch die Abgeordneten parteiübergreifend in den Lobgesang eingefallen waren, verkündete Flierl die letzte positive Nachricht dieses Montags: Entgegen anders lautenden Gerüchten beabsichtigt Berlin keineswegs, als ROC-Gesellschafter auszusteigen, um die in der mittelfristigen Finanzplanung des Senats festgeschriebenen Summen im Musikbereich einsparen zu können. Woher die fast neun Millionen Minderausgaben bis 2008 kommen sollen, vermochte der Senator an diesem sonnigen Vormittag nicht zu sagen. Derzeit arbeite seine Verwaltung an dem Themenkomplex. Bis Jahresende soll ein Konzept vorliegen, „das die Musikzentren Philharmonie und Konzerthaus stärkt“ und „Strukturen optimiert“. Genau in dem Moment, als der Senator diese Worte gelassen aussprach, begann sich der Himmel draußen zu verdüstern.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben