Kultur : Jazz: Tanzen im Sturm

Maxi Sickert

Der Raum Wird Eng. Zwei riesige schwarze Männer bahnen sich im Quasimodo einen Weg durch das dichtgedrängte Publikum. Es sind der Pianist und der Saxofonist von Roy Hargrove, der am Vorabend gespielt hatte und nun an der Bar steht. Er trinkt nichts, hört nur zu. Das Osterprogramm mit Dave Weckl, Roy Hargrove und nun Victor Bailey an drei aufeinanderfolgenden Tagen ist fast ein kleines Festival. Und die sommerlich warme Abendluft draußen verstärkt diesen Eindruck noch. Bassist Victor Bailey, der bisher als Begleiter von Joe Zawinul, Mary J. Blige und Madonna im Schatten der Stars spielte, galt bisher als Pop-orientierter Fusion-Spieler, dessen Smooth-Jazz-Stücke auf das amerikanische Radioformat schielten. Sein Comeback als Leader nach zehn Jahren mit seinem zweiten Album "Lowblow" (ESC / EFA) erregte schon deshalb Aufsehen weil fast alle Mitmusiker auch mit ihren eigenen Bands erfolgreich sind. Live stehen nun Saxofonist Kenny Garrett, Schlagzeuger Dennis Chambers und Keyboarder Jim Beard mit ihm auf der Bühne. Sie nehmen ihr eigenes Ego zurück und stellen sich ganz in den Dienst von Bailey und seiner Musik. Jim Beard schickt Regentropfen und Meeresrauschen aus der Soundbibliothek seines Keyboards, Kenny Garrett holt schwebend-schöne Melodien aus seinem Sopran- und Altsaxofon, während er in einer Art Tanz Klang und Bewegung ineinandergleiten lässt. Dennis Chambers treibt die Musik mit seinem gewaltigen Groove nach vorne, während Victor Bailey sich wie ein glücklicher König feiern lässt. Die Musik dieses Abends: zärtlich und schön.

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