Kultur : JAZZ

ROMAN RHODE

Der Anschlag ist klassisch, der Ton klingt nach Jazz, und in den Wurzeln steckt Folklore.Ferenc Snétberger, ungarischer Gitarrenvirtuose mit Wahlheimat in Berlin, spielt auf seinem akustischen Instrument ein breites musikalisches Spektrum ohne Plektrum.Die Fingerkuppen des Meisters fegen über die Nylonsaiten hinweg wie feine, flinke Pinsel beim Entwurf von Klangbildern, welche in ihrer üppigen Phantastik wie hochmoderne Fancy Pictures wirken.Dabei überwindet Snétberger nicht nur Gipsy-Romantik und Jazz-Standards, sondern auch Django Reinhardt, Bach oder Egberto Gismondi.Das Ergebnis läßt aufhorchen.Denn Snétberger gelingt eine selten solide Synthese unterschiedlicher Stile.Gemeinsam mit Elemér Balszs (Schlagzeug) und Martin Gjakonovski (Kontrabaß) erklärt der Gitarrist sein eigentümliches Crossover als ein sinnliches, oft auch besinnliches Vergnügen.Dazu bietet das Trio ebenso viel Spannung wie innere Harmonie.Den ausgeklügelten Gitarrenläufen steuert Balszs auf Becken und Trommelrändern reichlich Farbtupfer bei, und Gjakonovski, zwischen Schnecke und Stachel, verleiht ihnen eine gründliche Schattierung.Ähnlich wie die verschiedenen, in Öl gebundenen Farbpigmente der bildenden Kunst vertragen sich hier, im präzisen Zusammenspiel, sogar Bossa-Nova-Harmonien mit orientalischem Schellen-Rhythmus.Und alle drei Musiker sorgen dafür, daß jedes Sujet seine Konturen behält.Nur die ständig ins Konzert quietschende Schwingtür der Passionskirche hätte etwas Schmiermittel nötig.

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