Kultur : Jazzkeller Treptow: Alexander Puschkin friert

Roman Rhode

Während draußen die Bäume im Reif erstarren, ist es im Jazzkeller Treptow so gemütlich wie in einem Kaminzimmer. Zum wöchentlichen Konzertabend in der Villa an der Puschkinallee ist diesmal ein Quartett erschienen, das erst seit einem Jahr zusammen spielt. Die Musiker aber sind keine Unbekannten: Bassklarinettist Rudi Mahall, Daniel Erdmann mit zwei Saxophonen, Bassist Johannes Fink und Heinrich Köbberling am Schlagzeug. Doch wer verbirgt sich hinter dem Bandnamen Günter Adler? Rudi Mahall bleibt die Antwort nicht schuldig: "Günter ist neulich bei uns gewesen und hat den Gasherd repariert. Dabei hat er zwanzig Stücke geschrieben." Entspannt und gut gelaunt legt die Band los, ihre Notenblätter haben die Musiker auf Barhockern abgelegt. Verstärker und Mischpulte sind überflüssig: das Quartett weiß sich selber auszusteuern. Die beiden Holzbläser wetteifern mit ihren Klappen, dass es eine Lust ist, dabei holen sie die größtmögliche Dynamik aus ihren Instrumenten heraus. Erdmann gibt wunderschöne Melodien auf dem Bariton zum Besten, Mahall antwortet darauf meist in den hohen Registern eines Tenorsaxophons. Da gibt es Versatzstücke inbrünstiger, rauchiger Balladen, zu denen der Kontrabass knarzt und stöhnt, dann wieder fortschreitende Action im Ausreizen der Töne, die der Drummer flink, präzise und nuanciert unterlegt. Günter Adler ist ein Projekt zwischen ausgelassener Dramaturgie und ausgefeilter Zuwendung gegenüber minimalen Klangereignissen. Was das Pseudonym Günter Adler bedeutet, weiß auch zum Schluss niemand. Dafür wollen alle wissen, wann das Quartett wieder auftritt. Aber wer weiß das schon?

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