Jazzpianist Horace Silver ist tot : Der Mann, der den Funk erfand

Er gehörte zu den Popstars des Jazz: Jetzt ist der Pianist Horace Silver mit 85 Jahren gestorben.

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Einheizer. Der Jazzpianist Horace Silver, 1928 – 2014. Foto:dpa/picture-alliance
Einheizer. Der Jazzpianist Horace Silver, 1928 – 2014.Foto:dpa/picture-alliance

„Ich muss diesen Song mindestens einmal die Woche hören. Seit zehn Jahren schon“, hat einer im Internet unter das Youtube-Video von Horace Silvers „Song For My Father“ geschrieben. Schon? Erst. Der groovende, von Blues, Bossa Nova und den afrikanisch-portugiesischen Melodien der Kapverden beeinflusste, längst zum Jazzstandard avancierte Ohrwurm aus dem Jahr 1964 ist die bekannteste Komposition des Pianisten, der am Mittwoch im Alter von 85 Jahren in New Rochelle, US-Bundesstaat New York, gestorben ist.

In ihr steckt all die stilistische Klarheit und musikalische Offenheit, die den für einen Jazzer überdurchschnittlich sonnigen Horace Silver in den fünfziger und sechziger Jahren zu einem Popstar des Jazz und einem der Zugpferde des Labels Blue Note werden lässt. Anders als die Westküsten-Kollegen der Cool Jazz-Fraktion, entwickelt der am 2. September 1928 in Connecticut an der Ostküste geborene Silver den Bebop der Vierziger weiter, indem er sich an die Wurzeln der schwarzen Musik erinnert – an Gospel und Blues. Zusammen mit dem Schlagzeuger Art Blakey gründet er 1954 die legendäre Hard-Bop-Formation Jazz Messengers und beeinflusst so ganze Generationen von Funk- und Soulmusikern.

„Ich mochte die Art, wie er Klavier spielte“, schreibt Blakey in seinen Memoiren, „er hatte diesen funky Stil und heizte mir richtig ein.“ Nicht nur ihm: Heute sampeln Hip-Hop-Musiker Silvers Akkorde. Die Rivalität der West- und Ostküsten-Jazzer geht damals komplett an ihm vorbei: „Ich glaube nicht an Politik, Hass oder Zorn in meinen Kompositionen“, schreibt er 1968 in den Notizen zu seinem Album „Serenade To A Soul Sister“, „sie sollen den Menschen Freude bringen.“ So geschehen mit Nummern wie „Sister Sadie“, „The Preacher“ oder der schönen Ballade „Lonely Woman“.

Vor fünf Jahren konnte man die temperamentvoll über die ganze Pianotastatur rollenden Klangwogen, die bluesig kreiselnden Silverismen, den furiosen Spielwitz des Meisters auf dem Berliner Jazzfest bewundern. Allerdings nicht vom an Parkinson erkrankten Silver selbst, sondern von einem seiner musikalischen Enkel, dem Pianisten Jacky Terrasson in einem Tribute-Konzert dargeboten.

Beeindruckende 50 eigene Alben und hunderte Aufnahmen als Sideman hat Horace Silver aufzuweisen. Die erste eingespielt 1950 mit seinem Entdecker Stan Getz. Das letzte Album von 1999 trägt den schönen Titel „Jazz Has A Sense of Humor“. Nicht wenige von Silvers Songs sind – ebenso wie die liebevolle Hymne an seinen Vater, einen von den Kapverden in die USA eingewanderten Fabrikarbeiter – Klassiker des modernen Jazz geworden.

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