Kultur : Jede Stimme zählt

Jörg Königsdorf

Der Berliner Rundfunkchor hat ein Problem: Bei seinen Auftritten mit den Sinfonieorchestern der Stadt wird er regelmäßig bejubelt – aber für seine Königsdisziplin, die A-cappella-Konzerte, interessiert sich nur ein kleiner Kreis von Musikliebhabern. Die Vorstellung, einen ganzen Abend lang Chor pur zu erleben, schreckt viele ab. Angesichts Abertausender Freizeitsänger, die in Berlin in Chören und Vokalgruppen aktiv sind, müsste es eigentlich ein Riesenpublikum geben, das zu Meisterwerken der Chorliteratur wie Tallis 40-stimmigem „Spem in alium“ oder Richard Strauss’ „Der Abend“ strömt wie der Klassik-Normalverbraucher zu Beethovens Neunter. Zu Weihnachten ändert sich dieser Zustand schlagartig: Das jährliche Weihnachtskonzert des Rundfunkchors treibt den Auslastungsschnitt der A-cappella-Sektion zuverlässig nach oben. Da liegt es auf der Hand, dass der Chor und sein Gastdirigent Thomas Hengelbrock die Gelegenheit nutzen, um am Donnerstag (20 Uhr) unter der prächtigen Kuppel des Berliner Doms nicht nur Feststimmung zu verbreiten, sondern auch ein paar Schwellenängste abzubauen: Neben allerlei Romantischem von Mendelssohn, Brahms und Reger steht mit György Ligetis 16-stimmigem „Lux aeterna“ eines der wichtigsten Werke zeitgenössischer Chorliteratur auf dem Programm.

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