Jenny Gröllmann : Sie kämpfte bis zuletzt

Bis zuletzt wehrte sich die am Mittwoch verstorbene Schauspielerin gegen Vorwürfe, sie habe für die Staatssicherheit gearbeitet. Gröllmann galt als eine der prominentesten Theaterdarstellerinnen der DDR.

Berlin - Unheilbar an Krebs erkrankt, wehrte sich die Schauspielerin Jenny Gröllmann gegen Vorwürfe ihres Ex-Mannes Ulrich Mühe, sie habe für die Staatssicherheit gearbeitet. Nie, so Gröllmann, sei sie wissentlich für die Stasi tätig gewesen. Eindeutig als IM "Jeanne" geführt, beschied dagegen ein Gutachten des Forschungsverbundes SED-Staat an der Freien Universität Berlin - Nie, so Gröllmann, sei sie wissentlich für die Stasi tätig gewesen. Eindeutig als IM "Jeanne" geführt, beschied dagegen ein Gutachten des Forschungsverbundes SED-Staat an der Freien Universität Berlin. Das war im Mai. Wenig später verfügte das Berliner Landgericht, Mühe dürfe fortan nicht mehr behaupten, Gröllmann sei IM der Staatssicherheit gewesen.

Die Stasi-Debatte sei für sie "das Schlimmste, was mir widerfahren konnte in den letzten Monaten. Ich habe bisher durchgehalten, weil ich das zu Ende bringen muss - meinetwegen bis zum Tod. Das bin ich meinen Töchtern schuldig", sagte sie im Juli in ihrem letzten großen Interview. Am Mittwochabend ist Jenny Gröllmann 59-jährig in Berlin gestorben.

Die Auseinandersetzung um die politische Vergangenheit rückte am Ende des Lebens von Jenny Gröllmann noch einmal ins Licht, was sie auch war: eine großartige Schauspielerin. In einer ihrer besten Rollen sah man sie 1984 in dem Defa-Film "Hälfte des Lebens" an der Seite von Ulrich Mühe als Hölderlin-Geliebte Suzette Gontard. Im wirklichen Leben wurde aus dem Filmpaar ein Ehe- und Elternpaar, und aus Mühe schließlich der Mann, der die schon 2001 von einer Zeitschrift vermutete Stasi-Verstrickung auch während ihrer schweren Krankheit erneut zum Medienthema machte. Anlass war der Kinostart des mehrfach mit dem Deutschen Filmpreis geehrten Stasi-Dramas "Das Leben der Anderen". Der Film, in dem Mühe einen Stasi-Offizier spielt, wurde der bisher wohl erfolgreichste des Schauspielers.

Ihre eigentliche Liebe galt der "ernsteren" Kunst

Für die aus einer Hamburger Künstlerfamilie stammende Jenny Gröllmann lagen die ganz großen Erfolge da schon eine Weile zurück. Auf der Leinwand war sie zuletzt 2005 in Lars Büchels "Erbsen auf halb sechs" zu sehen, einem anrührenden Stück über das Leben blinder Menschen. "Liebling Kreuzberg"-Fans wird sie als Anwältin Isolde Isenthal in Erinnerung bleiben, die in der ARD-Erfolgsserie Manfred Krug alias Anwalt Robert Liebling Paroli bot. Daneben stand sie immer wieder für andere TV-Produktionen vor der Kamera: "Tatort", "Polizeiruf 110", "In aller Freundschaft", "Unser Lehrer Dr. Specht", "Die Straßen von Berlin" - die Liste ist lang. Ihr letztes Fernseh-Engagement für die ARD-Serie "Sturm der Liebe" musste sie wegen ihrer Krankheit im vergangenen Jahr abbrechen.

Die eigentliche Liebe der Schauspielerin aber galt wohl der "ernsteren" Kunst. Schon als 14-Jährige stand sie in Dresden - die Familie war 1949 aus Hamburg in die damalige Sowjetische Besatzungszone übersiedelt - in Bertolt Brechts "Die Geschichte der Simone Machard" als Titelheldin auf der Bühne. Nach ihrer Schauspielausbildung war sie von 1966 an Ensemble-Mitglied des Berliner Maxim-Gorki-Theaters. Ihm blieb sie 26 Jahre lang treu, später spielte sie unter anderem am Berliner Renaissance-Theater, am Schlosspark-Theater und an den Hamburger Kammerspielen.

Und "die Sinnliche", wie die Medien sie gerne nannten, brillierte in Kinofilmen. 21 war sie, als Konrad Wolf sie für eine Nebenrolle in seinem Antikriegs-Epos "Ich war 19" besetzte. Unvergessen bleibt ihre aufmüpfige Studentin Gila in Ingrid Reschkes Defa-Gegenwartsfilm "Kennen Sie Urban?" (1971). Fünf Jahre später drehte sie mit Regisseur Roland Gräf "Die Flucht". Der Film erzählt die Geschichte des Arztes Dr. Schmith (Armin Mueller-Stahl). Der will raus aus der Enge der DDR und entschließt sich zur Flucht. Jenny Gröllmann spielt die Freundin Schmiths - die sich am Ende gegen den Geliebten entscheidet. (tso/ddp)

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