Kultur : Jenseits der Coolness

Martin Brands Fotoserie „Portraits of Young Men“ in der Galerie Olaf Stüber

von
Wegträumen. Eines der Jungen-Porträts aus dem Ruhrgebiet. Foto: Galerie Stüber
Wegträumen. Eines der Jungen-Porträts aus dem Ruhrgebiet. Foto: Galerie Stüber

Cool und provokant schauen sie einen an, die Jugendlichen auf Martin Brands Fotos. Aber nur im ersten Moment. Je länger der Blick auf ihnen ruht, desto mehr offenbaren sich ihre leisen Zweifel und Ängste. Sie leben in Orten wie Bochum, Ibbenbüren oder Hörstel, und Brand hat sie hier auf der Straße angesprochen, um sie zu porträtieren. Wie spontan geschossen wirken die 40 Fotografien, die in der Galerie Olaf Stüber ausgestellt und für je 960 Euro (5er-Edition) zum Kauf angeboten werden, allerdings überhaupt nicht.

Seine Foto- und Videoserie „Portraits of Young Men“ hat Brand im Rahmen des Ruhr.2010-Projektes „Hot Spots“ erarbeitet. Vorstellungen von Jugendkulturen sollten hinterfragt werden. Womit identifizieren sich junge Menschen in einer kommerzialisierten und medialisierten Welt? Ein diffuses Bild aus Killerspielen, Pornografie und Komasaufen geistert durch die Öffentlichkeit. Aber was könnte sie abseits dieser klischeehaften Zuschreibungen prägen? Mit dieser Frage reiste der 35-jährige Martin Brand durch mehrere Städte im Ruhrgebiet. Der Kölner hat sich bereits in anderen Projekte mit jugendlichem Leben beschäftigt, vor sieben Jahren etwa beobachtete er in der eindrücklichen Videoinstallation „Pit Bull Germany“ junge Hooligans.

Für sein jüngstes Projekt porträtierte er anfangs Mädchen und Jungen, konzentrierte sich dann aber bald auf die Männer, weil ihm klar wurde, dass vor allem sie die Jugendszene prägten. Auch wenn alle gleich inszeniert sind – stets in einer Halbnahen direkt in die Kamera blickend –, geben sie etwas von sich preis. Ein sorgfältig gestutzter Schnurrbart, eine Vokuhila-Frisur oder ein Nietenarmband liefern Indizien für das Milieu, in dem sie sich verorten möchten. Auch die Bildhintergründe scheinen bewusst gewählt: Mal sind es Graffitis, mal grüne Gärten, mal Gitterstäbe.

Neben den Fotografien hat Brand, der 2006 den Förderpreis des Landes NRW für junge Künstler erhielt, zweiminütige Videosequenzen der Jugendlichen aufgenommen. Der Zusammenschnitt der 40 Filmporträts kostet 8000 Euro. Jene leisen Ängste und Zweifel, die auf den 36 mal 54 Zentimeter großen Fotografien schon zu erahnen sind, treten in den Videos noch deutlicher zutage. Die selbstsichere Fassade der Jugendlichen bröckelt mit jeder Sekunde. Krampfhaft versuchen die jungen Männer, ihre lässigen Posen zu halten und scheitern früher oder später doch alle daran. Johan Dehoust

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben