Kultur : Jenseits des schönen Scheins

KLAUS HAMMER

Eigentlich sollten seine Bilder ohne Titel sein.Denn sie präsentieren sich nicht im Sinne von Wahrnehmung und Darstellung, sondern als freie Formerfindung und subjektive Farbsetzung, als etwas Expressionistisch-Eruptives, gepaart mit registrierender Bedachtsamkeit.Wir sehen bei Jörg-Uwe Jacob zwar Gegenstandsbezüge, aber zugleich auch die Verwandlung oder Aufhebung aller Elemente, die für Bildformen wie Interieur, Landschaft und Figurenbild charakteristisch sind.Die Statik ist in der Turbulenz des Malprozesses untergegangen, Aggregatzustände und Energieströme beherrschen das Bild.

Indem die perspektivische Projektion mit ihren eigenen Mitteln ad absurdum geführt wird, verblaßt auch jeglicher "schöne Schein": Die Welt als gestörte Ordnung, als Chaos, als bloßes Neben- und Gegeneinander.Collagen, die der Künstler aus Zeitungen und Illustrierten herausschneidet, sind in einer Art und Weise aneinander und übereinander geklebt, die den Überschneidungen und Überblendungen beim Filmschnitt ähnelt.Es sind Bilder, die die Irrealität des Traumes mit der authentischen "Wahrheit" des Dokuments vereinen sollen.Ihr Signum ist die simultane Wiedergabe von Bewegungsvorgängen und räumlichen Durchdringungen, der Aufhebung der Grenzen zwischen Innen und Außen.

Keine letzte Malschicht verdeckt die Handlungen, die zum Ergebnis, zum Bild führen.Dieses erscheint als ein mehr oder weniger ausbalancierter Organismus, als eine Verbindung divergierender Kräfte und Formkomplexe, in dem die Möglichkeit zu erneuter Verwandlung stets spürbar bleibt.Unsichere, aber nicht unentschiedene Erscheinungen ohne anatomische Prägnanz und physiognomische Deutlichkeit sind Jacobs Figuren, Erscheinungen, die aus informellem Umfeld Farbmaterie und Kontur herausbilden.

Galerie im Turm, Frankfurter Tor 1, bis 5.Februar; Dienstag, Mittwoch, Freitag, Samstag 13-18 Uhr, Donnerstag 10-18 Uhr.

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