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Kultur : Jerusalem: Das Lied der Verbannten (Kommentar)

Thomas Lackmann

Es gibt wohl kein Lied im schönsten Erinnerungsspeicher der Menschheit, der Weltliteratur, das so gräßlich auseinanderbricht und durch seine Interpreten seit Generationen so skrupellos der unappetitlichen Pointe beraubt wird. Die Christen-Liturgie übernahm den 2500-jährigen orientalischen Text in ihr Repertoire. Doch mit dem häßlichen Schluss hatte sie nicht weniger Probleme als seine klassischen Vertoner und zuletzt die Pop-Industrie, deren glatte Adaption die lyrische Vorlage zum munteren Hit ("Rivers of Babylon") verwurstete. Das "Lied der Verbannten" (wie Übersetzer der katholischen "Jerusalem-Bibel" den Psalm 137 betiteln) zitiert Klagen eines deportierten Volkes, das im Land seines Zwangsexils, am Ufer großer Ströme, weinend der verlorenen Heimat gedenkt. "An den Weiden in jenem Lande / hängten wir unsere Harfen auf." Die resignierten Vertriebenen geraten in einen Zwiespalt, als sie von ihren Unterdrückern zur Aufführung nostalgischer Heimatmusiken ermuntert werden. "Wie sollten wir des Herren Lied singen in fremden Landen?" (übersetzt Luther). "Vergesse ich dein, Jerusalem, so werde ich meiner Rechten vergessen. / Meine Zunge soll an meinem Gaumen kleben / wo ich nicht lasse Jerusalem meine höchste Freude sein." Trauerton und Opferrolle stimmen korrekt, da kippt die Melancholie unvermittelt um in brutale Racheraserei: An Gott persönlich ergeht die Aufforderung, sich den Schreckenstag der Vernichtung Jerusalems ganz genau zu merken; die künftige Vergeltung an der Deportationsmacht "Tochter Babel" wird emphatisch fantasiert: "Wohl dem, der deine Säuglinge nimmt und sie am Felsen zerschmettert!"

Um Jerusalem wird gekämpft. Hier wateten Kreuzritter durch das Blut der Muslime, der Juden und orthodoxen Christen. Hier annektierte Israel 1949 den Westteil, 1967 den Osteil der legendären Davidsstadt. An der Jerusalem-Frage entscheidet sich das israelisch-palästinensische Tauziehen in Camp David. Gestern hieß es, man stehe vor dem Durchbruch; ein israelischer Minister hinterfragt bereits den "Mythos" von der ungeteilten Stadt. Dabei gehört der Mythos Jerusalem als Ort der Herkunft und Heimkehr zum kollektiven Erbe des weltweit verstreuten jüdischen Volkes; das Christentum spiritualisierte ihn zum "himmlischen Jerusalem", topfte ihn konkret ein bisschen um nach Rom und Byzanz. Noch im 20. Jahrhundert konnte sich ein Ernst Bloch das neue kommunistische Jerusalem in Moskau vorstellen. Wer glaubt, will eben doch den Fixpunkt, irgendwo; wird die Epoche der virtuellen Mobilität das fundamental verändern?

Der Gegenpol zum Mythos Jerusalem ist die Diaspora-Metropole: NY Babylon! Gegenpol zum fundamentalistisch belasteten, konkreten Jerusalem ist Tel Aviv, die junge Boom-Stadt der hebräischen Moderne. Sollte das konkrete Jerusalem der drei Religionen künftig, paritätisch verwaltet, rationale Befriedung erfahren, wird vielleicht durch "Teilung" sein Heimat-Zauber modernisiert, demokratisiert, entmythologisiert. Ein Ende der Blutrache? Der Psalm 137 überliefert, realistisch, konträre Erfahrungen. Seine harten Textbrüche skizzieren Übergänge zwischen Opfern und Tätern, die Nachbarschaft von Heiligen und Verbrechern. Wer vergisst, woher er kommt, wohin er sich sehnt, der hat nichts zu sagen, dem verklebt die Zunge: weiß der Psalmist. Sein ganzer Psalm ist das garstige Lied der Menschheit; Sehnsuchtshymne und doch Erinnerung, wer weiß, an die Zukunft.

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