Kultur : Jesus in Frauenkleidern

US-Sänger Bobby Conn hat einen Direktkontakt zu Gott

NAME

Bis vor wenigen Jahren war Bobby Conn nur seinen Fans in seiner Heimatstadt Chicago bekannt, wo er mit Mitgliedern der Jazzrock-Band Tortoise und dem Produzenten Jim O `Rourke Songs aufnahm. veröffentlichte er sein zweites Dann Album „Rise Up!" (1998), und auf einen Schlag war Aufmerksamkeit da. Conn erhielt Morddrohungen, eine Gemeinde orthodoxer Christen beschuldigte ihn der Gotteslästerung, anschließend wurde das Album vom Markt genommen. Der Grund: Conn bezeichnete sich auf seinem Album als Anti-Christ, trat in Frauenkleidern auf und sang von „Jesus-high on Crack" und „United Nations under the Rule of Satan". Auch mit seinen Songmelodien umspielte Conn ironisch den Kult um seine Teufelslehren: Arrangiert als Hardrock, endeten die Refrains meist im Falsett, unter starkem Einsatz einer engelsgleichen Violinmelodie. Es entstand nur scheinbar der Eindruck, dass da ein Guru singt. Dennoch folgten die ersten Auftrittsverbote. Und Conn, der glücklose 35-jährige Studiomusiker, der sich vorher nie nach einer Lobby umsehen musste, hatte ein Karriereproblem.

Bis heute versteht Conn, der sich als „100% American Meat" bezeichnet, die Aufregung nicht. „Wäre ich Großverdiener, würde man mir auf die Schulter klopfen, ganz egal, worüber ich singe. Kunst wird über seine Wirtschaftlichkeit bewertet." Drei Jahre hat er gewartet, bis er 2001 den vorzüglichen Albumnachfolger „The Golden Age" (Thrill Jockey) veröffentlichte. Die europäische Musikpresse feiert Conn als „Identitäts-Experimentator und als „Entertainer der Apokalypse". Interessiert wird verfolgt, wie Conn versucht, Schauerstücke amerikanischer Medienphänomene nachzustellen. In der Vergangenheit hat Conn Werbeclips ausstrahlen lassen, in denen er sich als christlichen Prediger inszenierte, der Sofortkontakt zu Gott herstellen könne. „Hätte ich Fans, sie wären enttäuscht, wenn sie mich kennenlernen. Sie merken, dass ich eine Fantasiewelt vortäusche", sagt der Sänger und klingt etwas traurig..

Bobby Conn tritt heute beim Konzert zum 10-jährigen Jubiläum des Labels „Thrill Jockey“ u.a. mit Tortoise und The Sea and Cake im Metropol/Loft auf, 18 Uhr.

0 Kommentare

Neuester Kommentar