Kultur : Jetzt ist es amtlich: Berlin lebt von der Kultur

Frederik Hanssen

Ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer Schritt für Berlins Bürokratie: Am Donnerstag stellten die beiden PDS-Senatoren Thomas Flierl und Harald Wolf ihren Bericht zur „Kulturwirtschaft in Berlin“ vor, ein gemeinsames Projekt der Senatsverwaltungen für Kultur und Wirtschaft. Erstmals wurden aus den Häusern der beiden Senatoren Daten zusammengetragen und abgeglichen, um den viel beschworenen Wirtschaftsfaktor Kultur für die Hauptstadt mit harten Fakten untermauern zu können. 18000 zumeist kleine und mittelständische Unternehmen erwirtschafteten 2002 einen Umsatz von über acht Milliarden Euro – das entspricht rund elf Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Berliner Wirtschaft.

Ziemlich weit gefasst ist der Kulturbegriff, den die Statistiker hier zugrunde legen: Neben Kinos, Musicaltheatern, Musiklabels, TV-Sendern, Buchverlagen, selbstständigen Drehbuchautoren, Komponisten und Schauspielern werden auch Werbeagenturen und Softwareentwickler sowie Kulturvermarkter und -vervielfältiger als Teil der creative industries erfasst (wenn sie mehr als 16600 Euro Jahresumsatz machen). Dagegen tauchen weder gemeinnützige Organisationen noch staatlich subventionierte Institutionen auf – sofern sie nicht durch Kantinen oder Merchandising-Shops umsatzsteuerpflichtig werden.

Die Zahlen sind also mit Vorsicht zu genießen: Einerseits ist die Wirtschaftskraft der Berliner Kultur noch viel größer, wenn man die Gehälter der staatlich angestellten Kreativen hinzunimmt, die ja zumeist in der Stadt ausgegeben werden. Andererseits sind in einem schnelllebigen Bereich wie der Kulturwirtschaft Daten von 2002 nicht gerade aussagekräftig. Wolf und Flierl haben darum versprochen, ihren Bericht regelmäßig zu aktualisieren. (Im Internet unter: www.berlin.de/senwiarbfrau/doku/wirtschaft/kulturwirtschaft.pdf).

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