Kultur : Jetzt wissen wir, wie’s geht

Jubel schon beim Anblick der Trompete: Element Of Crime begeistern in der Arena Berlin-Treptow

H. P. Daniels

Große Vorfreude, rhythmisches Klatschen. Die Treptower Arena ist knallvoll, ausverkauft. Die Vorgruppe Home Of The Lame, Bandprojekt des Hamburger Singer/Songwriters Felix Gebhard, war gut. Jetzt kommen Element Of Crime. Noch mehr Jubel, noch mehr Klatschen. „Straßenbahn des Todes“, die neue Single, erstes Lied, rasanter Beginn. Sven Regener, im schwarzen Knitteranzug, singt schwarz und knittrig: „Wo die Neurosen wuchern, will ich Landschaftsgärtner sein!“

Keine Keyboards mehr, keine Streicher, kein Akkordeon, kein Saxofon wie früher. Nur das Wesentliche, nur noch vier Musiker, Kernelemente: unaufdringlich und schön. Richard Pappik swingt federnde Beats ins Schlagzeug. Jakob Ilja sieht immer dünner aus, wirkt fast so dürr wie der Hals seiner Telecaster, aus der er immer fettere Klänge zaubert. Wie auch aus der roten Guild-Halbresonanz. Abgedrehte Sounds durch den aufgedrehten Fender-Twin-Verstärker. Schief gelegter Blues. Vibrieren, Schwirren. Bottleneck. Wehen und Drehen mit dem kleinen Finger am Volumenregler. Regener daneben wirkt molliger. Mit eingezogenem Kopf und leicht gekrümmtem Oberkörper pickt er seine Saiten. Und schraddelt Rhythmus auf der alten Gretsch. Zwischen Sechsachteltakt, Walzer und Bo-Diddley-Beat. Und singt mit tourneeramponierter, bröckeliger Stimme seine melancholischen Songs. Über die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten der Liebe. Schmerz, Trotz und Witz. Von traurigen Enden und optimistischen Neuanfängen.

Mit Sven Regeners Trompete ist es wie mit Bob Dylans Harmonika: Er muss sie nur anfassen, und schon bricht ein tosender Sturm los im Auditorium. Dann bläst er strahlend silbrige Mariachi-Töne durch den verrauchten Hallendampf ins Glitzerlicht, in den Jubel der 7500 Fans. Gedämpftes Nebelhornsolo: „Schlauer ist man immer wieder hinterher. Richtig schön war’s nur mit dir.“ Und richtig schön ist es heute mit Element Of Crime, die alle zehn Songs vom neuen Album „Mittelpunkt der Welt“ spielen. Ein paar ihrer älteren. Und ein paar ganz alte.

Der Engländer Dave Young, dicker Althippie mit zauselig weißem Kopf- und Barthaar, ist seit Jahren Produzent von Element Of Crime. Inzwischen spielt er auch auf der Bühne den Bass. In seinem Internet-Tagebuch schreibt er: „Bei Tourbeginn waren wir jung und frisch, wussten nur noch nicht, wie man die Musik richtig spielt. Jetzt, am Ende der Tour wissen wir, wie es geht, sind aber zu alt und zu müde zum Spielen.“ Und tatsächlich merkt man der Band die Strapazen der langen Konzertreise an. Perfekt eingespielt sind sie und ein bisschen ermattet. Nach zwei Stunden und „Across The Universe“ von den Beatles, mit dem von Regener als Endlosschleife gesungenen Refrain „Nothing’s gonna change my world“, sind Element Of Crime wieder zu Hause angekommen. Schwer angekommen in Berlin.

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