JH Engström präsentiert Fotoprojekt "From Back Home" : Heimweh nach der Provinz

Bereits 2009 veröffentlichte der schwedische Fotograf JH Engström sein Fotoprojekt "From Back Home" als Buch. Nun sind die ausgezeichneten Bilder in der Grundemark Nilsson Gallery zu sehen.

Michael Nungesser
Heimweh auf Fotografisch: JH Engström zeigt Menschen, Stillleben, Häuser und immer wieder Landschaft.
Heimweh auf Fotografisch: JH Engström zeigt Menschen, Stillleben, Häuser und immer wieder Landschaft.Foto: JH Engström / Grundemark Nilsson Gallery

Aufgewachsen teils in Paris, dort später Assistent des Modefotografen Mario Testino, danach beim Dokumentarfotografen Anders Petersen in Stockholm, zieht es den schwedischen Fotografen JH Engström in jüngerer Zeit immer wieder in die Gegend seiner Kindheit und Jugend. Sie verbindet ihn mit seinem Mentor Petersen, mit dem er gemeinsam das Fotoprojekt „From Back Home“ unternahm. 2009 wurde es als Buch veröffentlicht und mit einem Preis ausgezeichnet. Die Grundemark Nilsson Gallery, deren bis vor kurzem noch Swedish Photography lautende Titel das Programm definieren, zeigt nun rund hundert Fotos, die Engström zwischen 2001 und 2008 aufnahm.

Schauplatz ist Värmland, eine an Norwegen grenzende Region Schwedens, wo JH Engström 1969 in Karlstad geboren wurde. Es ist eine von zahlreichen Seen geprägte, äußerst dünn besiedelte, landwirtschaftlich kaum nutzbare Gegend mit kurzen Sommern und langen Wintern, provinziell und abgelegen, ganz anders als die spätere Lebenswelt des Fotografen. Seine Reise zurück stellt er selbst infrage: „Maybe you can’t really go back home. But this is where I’m from.“

Auch wenn er nicht sich selbst, sondern Freunde und Bekannte fotografiert, so hat diese Serie doch autobiografischen Charakter. Dokumentarisches erscheint im Gewand des Subjektiven. Heimweh auf Fotografisch. Menschen, Stillleben, Häuser und immer wieder Landschaft sind ganz von heute, zugleich hat die Atmosphäre etwas Zeitloses und Typisches, ungetrübt von Nostalgie, aber auch von Abwehr. Engström nimmt sich seines Gegenstandes aus unterschiedlichen Perspektiven an. Wenige, für sich platzierte Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus der Luft (je 2300 Euro) zeigen, wie sich Natur und Kultur treffen. Die übrigen Bilder, in Schwarz-Weiß oder Farbe (je 2000 Euro), gerahmt und zu Reihen formiert, vermitteln Eindrücke vom Leben in der Freizeit: einzelne Menschen, junge und alte, Paare, Gruppen, beim Zusammenstehen, tanzend, spielend oder irgendwie feiernd, sich entspannend, meist draußen, in der Natur, oft im Dunkeln angeblitzt, schnappschusshaft, aus intimster Nähe oder wie aus den Augenwinkeln heraus gesehen; auch Häuser und Wohnungen, Autos und Straßen, Dickicht und Pfützen, teils grell, teils monochrom oder in ausgeblichenen Farben.

Momentane Eingebungen kristallisieren sich in Lichtbildern, formen einen Strom von Eindrücken, in die Erinnertes einfließt. So nah Engström den Menschen auch kommen mag, die Abgeschiedenheit und Monotonie des Daseins, die nur gelegentlich aufbricht, macht ihn zum mitfühlenden, doch auch melancholischen Betrachter aus der Distanz.

Grundemark Nilsson Gallery, Karl- Marx-Allee 62; bis 10. 5., Mi–Sa 12–18 Uhr

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