Kultur : Jobwunder gesucht: Erst auf Zeit - dann auf Dauer

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Dänemark und die Niederlande sind bei der Flexibiliserung der Arbeitsmärkte und bei der Schaffung von Jobs schon weiter. Hier einige Beispiele für die Instrumente, mit denen sie es geschafft haben:

Dänemark: Die Dänen haben ihre Arbeitslosenzahl seit 1993 mehr als halbiert. Sie lag zum Jahresende bei 5,5 Prozent. Ein Grund für diesen Erfolg ist die Jobrotation, eine Erfindung, auf die die Dänen sehr stolz sind. Und das funktioniert so: Jeder Arbeitnehmer kann innerhalb von fünf Jahren für bis zu ein Jahr aus dem Job ausscheiden, um sich weiterzubilden. In dieser Zeit bekommt er vom Staat monatlich rund 3000 Mark, was dem Höchstsatz des Arbeitslosengeldes entspricht. Zugleich macht er so den Platz für einen Arbeitslosen frei. Stellt die Firma einen Langzeit-Arbeitslosen für die Zeit ein, so hilft der Staat mit einem Lohnzuschuss aus, der 50 Prozent des gesetzlichen Mindestlohns entspricht. Das Kopenhagener Arbeitsamt hat in einer Studie herausgefunden, dass vier von fünf dieser Arbeitslosen nach der Rückkehr der Stammkraft wieder eine Festanstellung finden.

Ein klassisches Beispiel sind ältere Arbeiter. Sie haben ihre Fertigkeiten erlernt, als es noch keine Computer gab. Nun stehen sie vor komplett veränderten Anforderungen. Das Modell erlaubt es ihnen, sich weiterzubilden, ohne sich Sorgen machen zu müssen. Auf diese Weise hat Dänemark ein weithin bestauntes Jobwunder geschaffen.

Trotzdem ist die Zahl der Jobrotierer in den letzten Jahren ständig gefallen - von 36 400 Personen im Jahr 1996 auf nur noch 7000 in der ersten Jahreshälfte 2000. Das allerdings liegt am Wirtschaftsboom - Arbeitskräfte sind in Dänemark knapp geworden.

Niederlande: Arbeitsplätze werden in den Niederlanden an jeder Ecke angeboten - im Schaufenster. "Wir haben die besten Jobs, kommen Sie zu uns", werben Firmen seit Jahren schon. Den Holländern kommt es vielfach nicht darauf an, Karrierejobs zu haben, die viel Geld bringen, aber auch viel Einsatz fordern. Die Teilzeitquote liegt bei über 30 Prozent, die Arbeitslosenzahl ist noch niedriger als in Dänemark. Das geht aber auch auf Kosten der Arbeitsplatzsicherheit: Jede zweite neugeschaffene Stelle ist ein Job auf Zeit oder für eine flexible Zahl von Stunden. Rund jeder zehnte Holländer steht im Dienst einer Zeitarbeitsfirma.

Auch eine Art "Bündnis für Arbeit", das dort allerdings "Stiftung für Arbeit" heißt, haben die Niederländer. Es ist aber mehr auf Konsens ausgelegt als in Deutschland. Unternehmer und Gewerkschaften pflegen dort einen engen Dialog und denken sich neue Modelle gemeinsam aus. Die relative Kleinheit des Landes ist für die Konsenskultur eher von Vorteil.

Ganz ohne Probleme ist aber auch der niederländische Arbeitsmarkt nicht. Die Regelung für den vorzeitigen Renteneintritt älterer Arbeitnehmer zum Beispiel wird dort jetzt schon bereut. Eigentlich sollte die Regelung jüngeren Kräften das Nachrücken erleichtern. Die Regelung war aber offenbar zu attraktiv und wurde eifrig genutzt. Jetzt droht der Wirtschaft jedenfalls ein Mangel an erfahrenen Arbeitskräften im Alter von 55 Jahren und darüber.

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