Kultur : Jobwunder gesucht: "Wir brauchen Headhunter für Arbeitslose"

VW will 5000 Arbeitslose einstellen[alle sollen d]

Birger Priddat (51) ist Leiter des Instituts für Wirtschaftspolitik an der Universität Witten-Herdecke.

VW will 5000 Arbeitslose einstellen, alle sollen das Gleiche verdienen, nämlich 5000 Mark, die Arbeitszeiten sollen sehr flexibel sein. Wie finden Sie das?

Ich halte das für ein gutes Experiment, das die Gewerkschaften ruhig mal für ein paar Jahre begleiten sollen. Das muss man ausprobieren, um zu sehen, was die Vor- und Nachteile sind. Es geht dabei im Grunde um Anpassung der Arbeit an die wirklichen Intensitäten. Wenn die Gewerkschaften Sorge vor einer zeitlichen Ausbeutung der Arbeitnehmer haben, können sie sich ja eine Rückversicherungsklausel einbauen lassen.

Ist eine solche Flexibilisierung auch für die restliche Wirtschaft unausweichlich?

Für alle nie - "die Wirtschaft" als solche gibt es ja nicht. Das ist ein hochdiversifizierter Haufen, in dem sehr langsame und sehr schnelle Formen parallel arbeiten. Das Hauptthema derzeit ist Temporalisierung, also: nicht immer gleichmäßige Rhythmen, nicht immer gleiche Anforderungen. Einübung in neue Zeitmuster - und darauf antwortet dieses Projekt richtig.

Gibt es noch andere vorbildhafte Modelle, um Arbeitslose zurück in den Jobmarkt zu holen?

Hier in Nordrhein-Westfalen gibt es zum Beispiel Beschäftigungsgesellschaften, die Arbeiter und Handwerker zeitweise ausleihen an Firmen, zum Beispiel für einen großen Auftrag. Die Firmen würden dafür niemanden einstellen, den sie hinterher nicht mehr brauchen. Eher würden sie den Auftrag verlieren. Und so hat man beides: Man behält den Auftrag und leiht sich eine mobile Einsatztruppe. Die Firma kann sich den Arbeitslosen angucken, und wenn er zu ihr passt, kann sie ihn immer noch einstellen.

Und im Ausland? Die Dänen haben ihre Arbeitslosigkeit seit 1993 mehr als halbiert. Was können wir da lernen?

Die Dänen haben noch ein anderes, hochinteressantes Modell: individuelle Betreuung der Vermittlung durch social broker. Das sind Leute, die kleine Gruppen von Arbeitslosen haben und versuchen, mit ihnen passgenaue Modelle zu entwickeln. Ähnlich dem Coaching in vielen Unternehmen: Wie trittst Du auf, wie stellst Du Dich dar und so weiter. Sie passen die Leute mit ihren Vorzügen und ihren Macken genau in den Bedarf ein.

Wie ein Headhunter?

Ja, so ähnlich. Das ist sehr aufwendig, denn sie müssen mit beiden Seiten in sehr gutem persönlichen Kontakt stehen und dann die Fäden finden, die zusammen passen. Da kann es dann auch sein, dass der Berater dem Arbeitslosen sagt: Bevor ich Dich vermittele, machst Du erst mal eine Schulung in einem bestimmten Bereich. Das heißt: Da wird man nicht bloß verwaltet, da wird richtig investiert.

Und das rechnet sich?

Der Prozess ist erst mal teurer, aber der Return on Investment auch höher, denn die Leute werden dann ja bald wieder zu Steuerzahlern.

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