Kultur : Jocelyn B. Smith: Wispern möchte ich und röhren

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Wenn sie in New York geblieben wäre, würden sie heute vermutlich noch immer nicht mehr als eine Handvoll Leute kennen. In Berlin aber, das sie 1984 gegen ihren Geburtsort tauschte, hat sie ihr berufliches - und privates - Glück gefunden. Jocelyn B. Smith ist die schwarze Stimme der Stadt - und mehr als das: Sie ist auf dem besten Weg, sich als Solokünstlerin in ganz Deutschland zu etablieren.

Lange war sie, etwa bei Tourneen der Rolling Stones, die Frau im Hintergrund: eine Sängerin ohne eigenen Namen. Irgendwann hat es ihr gereicht. Nach einer Platters-Tribute-Tour beschloss sie, sich in Berlin niederzulassen. Nach und nach eroberte sie sich ein festes Publikum - vor allem bei ihren beinahe schon legendären Auftritten im Quasimodo. Seit einigen Jahren bewegt sie sich in den verschiedensten musikalischen Welten: vom Duo mit Udo Jürgens ("Never Give Up") über die Collagenkompositionen von Heiner Goebbels ("Surrogate Cities") bis zur Oper von Mikis Theodorakis. Die Bekanntschaft mit dem griechischen Komponisten hat Früchte getragen. Auf ihrem jüngsten Album "Margarita" (Edel contraire) singt sie auf Englisch und in Arrangements ihres Keyboarders Henning Schmiedt seine Liebeslieder.

Die CD setzt das Popjazz-Konzept ihrer letzten Veröffentlichung "Blue Nights & Nylon" fort, auf der sie Songs von George Gershwin und Kurt Weill sang: flächige Sounds mit perkussiven Details und einem Hauch Weltmusik. Zusammen mit ihrer Stimme, die vom kräftigen growl bis zum gewisperten Spitzenton reicht und die ganze Spannweite des Genres abdeckt ergibt das eine höchst populäre Genre-Mischung, die live noch mehr Spaß macht.

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