Kultur : Jörg Lukas Matthaei: Das Stück "Freuds letzter Traum" im VEKKS im Cityback

Elke Auer

Wild wäre es gewesen, voll dunkler Wirrnis, Kämpfe im Seelendschungel. Über-Ichs sprängen halbanalysierten Traumata ins Genick, Hysteriker metzelten Hypnotiseure nieder und über allem ein schwerer Dunst von Libido. So könnte er ausgesehen haben, Freuds letzter Traum, ließe man den Assoziationen freien Lauf. Aber er war ruhig, fast statisch und sehr übersichtlich, in der Vorstellung von Jörg Lukas Matthaei im VEKKS im Cityback (11.-13. und 18.-20.8., jeweils 20 Uhr 30). Der Autor und Regisseur hat sein Stück "Freuds letzter Traum" so ordentlich in vier Phasen eingeteilt wie einst Sigmund Freud als Traumforscher und Nervenarzt die menschlichen Träume. Plakativ bilden die stillen, manchmal gespenstischen Akte Freudsche Themen ab und überzeugen allenfalls als Einzelinstallationen - mit Super-8-Filmen, Turbinen, Tauchsiedern und gruseligen Geräuschen. Phase eins, die Kindheit: Am Vorhang steht ein Mädchen im Erdbeerkleid (Alina Ullmann, zwölf Jahre alt) und rezitiert Goethe - der Mensch, die Natur, das Leben. Nach zehn Minuten steht sie immer noch da, ihre Gedächtnisleistung fasziniert, aber es wird Zeit für die nächste Phase: Hysterie. Ein Mann (Ingo Reulecke, Tänzer) verrenkt sich auf einer Turnmatte. Nach zehn Minuten verrenkt er sich immer noch. Dann springt immerhin ein Fön an, der von der Decke baumelt und nun putzig im Raum fliegt. In Phase drei ist Gesprächstherapie: Ein technischer Direktor (Dieter Repkow, früher technischer Direktor im Cityback) erzählt von früher und hat einen Dackel dabei. Irgendwann kommt Phase vier, Tod, aber noch nicht ganz, noch können sie Tiermasken tragen und zwei weitere lange Gedichte rezitieren. Eine Turbine brummt, der Dackel hat Angst, der Vorhang geht zu. Wie wohl Freud seinen letzten Traum gedeutet hätte?

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