Johannes Heesters : Ausstellung ehrt Schauspiel-Phänomen

Die Berliner Akademie der Künste schaut auf die 86-jährige Bühnenlaufbahn von Johannes Heesters zurück. Der Schauspieler spiegelt die europäische Unterhaltungskultur seiner Zeit wider - auch im Nationalsozialismus.

Berlin - Unter dem Titel "Johannes Heesters - Auf den Spuren eines Phänomens" ist die Ausstellung ab Freitag im Haus der Akademie am Hanseatenweg zu sehen. Die Ausstellung der Akademie folgt der Chronologie von Heesters` bewegtem Leben: Seine Anfangsjahre am Theater in den Niederlanden, sein Wechsel ins Operettenfach sowie der rasche Aufstieg zum gefeierten Star werden anhand von Bühnenfotos, Kostümen und Familiendokumenten nachgezeichnet. Berühmt wurde Heesters unter anderem mit Filmen wie "Der Bettelstudent" (1936), "Karneval der Liebe" (1942), "Gigi" und als Graf Danilo in Franz Lehárs Operette "Die lustige Witwe".

Der am 5. Dezember 1903 im niederländischen Amersfoort geborene Schauspieler und Operettentenor spiegelt beispielhaft die europäische Unterhaltungsgeschichte des 20. Jahrhunderts wider. "Es ist erstaunlich, dass dies die erste Ausstellung überhaupt zu Johannes Heesters ist", sagt der Direktor des Akademie-Archivs, Wolfgang Trautwein. Erst vor zwei Jahren hatte Heesters der Akademie der Künste sein privates Archiv überlassen. "Er blickt nicht gern zurück, schaut lieber auf heute und morgen."

Einen ganz besonderen Blick in die deutsche Vergangenheit bietet der Blick in die Unterhaltungskultur im Nationalsozialismus und die Rolle von Heesters während dieser Zeit. "Der nationalsozialistischen Propaganda ist es gelungen, den Bonvivant und Frauenhelden in ihrem Sinn zu funktionalisieren", sagt Trautwein. Allerdings habe Heesters nie ein ideologisches Ideal verkörpert, habe nie in Propagandafilmen mitgewirkt und auch nie nationalsozialistisches Gedankengut geäußert, erläutert der Archivdirektor.

Die Schau, die von dem 102-Jährigen mit einem Auftritt zusammen mit dem Salon Orchester am Donnerstagabend eröffnet wird, ist bis 22. Oktober zu sehen. Gestaltet wurde die Ausstellung von Heesters' Enkel Johannes Fischer, einem Sohn von Nicole Heesters. (adk.de) (tso/ddp)

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