Kultur : John Davis aus Louisiana

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Eigentlich müsste ich jetzt in der Sprachschule sein und deutsche Grammatik pauken, aber es ist mir gerade wichtiger, Tickets für die Berlinale zu bekommen. Ursprünglich komme ich aus den USA, aus Louisiana. In Berlin lebe ich seit anderthalb Jahren.

Letztes Jahr war ich auch schon auf der Berlinale, da habe ich es geschafft, in zehn Tagen 29 Filme anzugucken. Mal sehen, ob ich in diesem Jahr meinen eigenen Rekord breche. Ein paar Karten habe ich schon, heute kriege ich hoffentlich noch Tickets für „Esperanza“, „Quatre Étoiles“, „The Perfect Afternoon“ und „Bye Bye Berlusconi!“. Diese Filme aus Deutschland, Frankreich und Polen habe ich mir nach ihrer Nationalität ausgesucht. Französisch spreche ich auch: Bevor ich nach Berlin gezogen bin, habe ich zwei Jahre in Frankreich gelebt.

Vor vier Jahren habe ich in den USA meinen Job als Geschäftsführer geschmissen: 20 Jahre lang habe ich fünf Tage die Woche gearbeitet. Als ich 40 wurde, habe ich gemerkt, dass es so nicht weitergehen kann. Ich wollte vom Rest der Welt auch etwas mitbekommen.

In welchem Land ich mich am Ende niederlassen werde, weiß ich noch nicht. Das hängt von meiner Freundin ab: Ich habe sie hier kennen gelernt, deswegen bleiben wir wahrscheinlich einfach in Deutschland. In Berlin gefällt es mir gut, ich bin übrigens in Deutschland geboren: Mein Vater war in der Army in Würzburg stationiert, als ich auf die Welt kam.

Aufgezeichnet von Anne-Dore Krohn

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