Jonas Burgwinkel im Konzert : Lässiger Groove

Sommergast aus Köln: Der Schlagzeuger Jonas Burgwinkel spielt im Berliner Jazzclub im A-Trane.

Ken Münster
Im dunklen Tann. Der Schlagzeuger Jonas Burgwinkel in ungewohnter Umgebung.
Im dunklen Tann. Der Schlagzeuger Jonas Burgwinkel in ungewohnter Umgebung.Foto: Promo

Fans moderner Jazz-Drums kommen diese Woche auf ihre Kosten. Eine Woche lang bespielt der Kölner Schlagzeuger Jonas Burgwinkel in wechselnder Besetzung das A-Trane in der Pestalozzistraße. Der 1981 geborene Professor an der Kölner Musikhochschule gehört zu einer innovativen, jungen Generation deutscher Jazz-Musiker und ist festes Mitglied in Gruppen namhafter Kollegen wie der Pianisten Sebastian Sternal und Pablo Held.

An diesem Donnerstagabend im A-Trane steht der aus Amsterdam angereiste Gitarrist Reinier Baas im Mittelpunkt. Baas steuert viele Eigenkompositionen bei und nimmt sich mehr solistischen Freiraum als seine Mitstreiter. In höchstem Tempo erzeugt er Tonkaskaden, die aber zuweilen hektisch und ohne Ziel umherwandern. Die einzelnen Linien gehen im konstanten Dröhnen der aufeinanderfolgenden Noten unter. Die sind immer gleich laut, gleich intensiv.

In einer sehr freien Interpretation der Gershwin-Ballade „I Loves You Porgy“ kommt es zudem zu einem unfreiwilligen Lautstärkestreit der Harmonieinstrumente. Held und Baas an Klavier und Gitarre – durch die Frequenznähe immer eine schwierige Paarung – überlagern sich unschön, und der Holländer, der durch den Lautstärkeregler am Instrument klar im Vorteil ist, verweist das Klavier ungewollt auf den zweiten Rang.

Seine polyrhythmischen Grooves sind brillant

Schade, da Held beweist, warum er zu den kreativsten deutschen Pianisten gehört. Eine seiner Kompositionen, „João“, das letzte Stück des Abends, bringt das Beste aus dem Quartett hervor. Besonders Burgwinkel kann mitpolyrhythmischen Grooves brillieren. Ungezwungen lässig rollen diese dahin und erinnern an die Jazz-Tradition New Orleans’ und deren Märsche, die „Second Lines“.

Neben zahlreichen zeitgenössischen Eigenkompositionen wird allerdings ausgerechnet ein über 60 Jahre alter Jazz-Standard zum Highlight des Abends. „Monks Dream“ von Thelonious Monk wird von den vier Musikern wunderbar schräg auf den Kopf gestellt. Gitarre und Kontrabass teilen das Thema unter sich auf, das rhythmisch zunächst im luftleeren Raum steht. Bevor Pablo Held am Klavier den solistischen Einstieg macht, schiebt sich Bassist Eldh wuchtig nach vorn und gibt den Puls vor. Jonas Burgwinkel kloppt in bester Bebop-Manier wild auf die Bass-Drum und die Snare und treibt die Band weiter. Die Interaktion auf der Bühne wird immer enger, der swingende Groove unnachgiebiger. Wilder Applaus vom Publikum.

Wer sehen will, was die vier Musiker drauf haben, kann das noch bis Samstag tun. Dann beendet Jonas Burgwinkel, in ähnlicher Besetzung und mit Unterstützung des ehemaligen Seeed-Mitglieds DJ Illvibe an den Plattenspielern, seine Sommerresidenz im A-Trane.

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