Kultur : Jongleure im Raum

Altneubauten: Die Ausstellung Re.Spaces zeigt, wie junge Architekten Gebäude in Berlin umgestalten

Daniel Völzke

Der Weg von Alt zu Neu führt über eine Treppe. Das untere Geschoss der Maisonette unterscheidet sich nicht von einer typischen Berliner Altbauwohnung. Der große Raum darüber lässt mit seinen deckenhohen Glasfassaden hingegen vergessen, dass man sich in einem Gründerzeithaus befindet. Luxuriös sieht das aus, doch das Dachgeschoss in der Choriner Straße 54 wurde mit geringen Baukosten fertiggestellt. Marc Richter von den Zoomarchitekten, die das Projekt entwarfen, verbindet Luxus nicht mit Geld. Luxuriös ist vielmehr ein kreativer Umgang mit Raum, sagt er.

In diesem Sinne ist das Bauen im Bestand, bei dem die alte Substanz durch markante Eingriffe modernisiert wird, ein luxuriöses Geschäft.Vom Architekten erfordert es besondere Geschicklichkeit, die alten Gebäude veränderten Wohnbedürfnisse anzupassen. Zudem sind die gestalterischen Möglichkeiten durch Vorgaben des Denkmalschutzes oder durch Nachbarn eingeschränkt. Die Galerie „Suitcasearchitecture“ präsentiert mit der Ausstellung „Re.Spaces – Bauen im Bestand“ sechs Projekte in Berlin: vier Um- und Ausbauten von Wohnungen und zwei neugestaltete Gewerberäume. Mal wird die Situation mit nur wenig Aufwand neu interpretiert, mal erhält eine Wohnung einen komplett anderen Charakter durch Entkernung.Die Beschäftigung mit diesem Thema gewinnt für Architekten in Berlin an Gewicht: Der Raum für Neubauten ist eng geworden, denn die Einwohnerzahl sinkt und Altbauten haben an Attraktivität gewonnen. So ein Strukturwandel zeigt sich auch rund um die Oberbaumbrücke, beispielsweise am Universal-Gebäude. In der Schlesischen Straße bauten die Architekten Augustin und Frank das Obergeschoss einer Remise aus – das wohl spektakulärste Projekt, das „Re.Spaces“ vorstellt.

Das alte Lagerhaus einer Brauerei wurde Ende des zweiten Weltkriegs schwer beschädigt, alle Aufbauten, Türme und Giebel, entfernt. Stattdessen erhielt die Remise ein geflicktes Pultdach aus Stahlbeton. Das wurde nun abgetragen. Eine Holzkonstruktion schafft Lichtöffnungen: Kisten mit großen Glasscheiben, die dem Dach aufsitzen und es zu einer Fassade gestalten. Aus den umliegenden, höheren Gebäuden bietet sich jetzt ein freundlicherer Blick auf die Würfel. Obwohl dieses neue Obergeschoss von außen klar und offen wirkt, ist es doch nicht so einfach einzusehen. Eine Galerie aus massivem Stahlbeton, die der Länge nach die Innenräume durchzieht und die Lasten der aufgesetzten Holzkonstruktion auf die unregelmäßige Struktur des Bestandes verteilt, verstellt die Sicht.

Der Lattenrost, der das Dach verkleidet, nimmt die Ziegelfärbung des Gebäudes auf. Eine solch subtile Beziehung zwischen Alt und Neu macht das Haus zu einem Luxusbau.

„Re.Spaces“ in der Galerie „Suitcasearchitecture“, Choriner Str. 54, Prenzlauer Berg. Mi. – Fr. 17 bis 20 Uhr, bis 16. Januar.

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