Jonian Ilias Kadesha bei den Sommermatineen : Weil ich Grieche bin

Technisch versiert und klangvoll: Der Violinist Jonian Ilias Kadesha überzeugt bei den Sommermatineen mit unaufgeregtem Geigenspiel. Und ein bisschen Weltpolitik schwingt dabei auch mit.

Lisa-Maria Röhling
Der Violinist Jonian Ilias Kadesha.
Der Violinist Jonian Ilias Kadesha.Foto: promo

Just an dem Tag, als in Brüssel die Zukunft Griechenlands verhandelt wird, tritt ein junger Mann aus Athen auf die Bühne des Kurt-Sachs-Saals im Musikinstrumenten-Museum. Es wirkt wie ein Akt der Völkerverständigung, wenn das Eröffnungskonzert der diesjährigen Sommermatineen der Gotthard-Schierse-Stiftung eine Mischung aus deutscher, griechischer und französischer Musik bietet, vorgetragen von dem griechischen Violinisten Jonian Ilias Kadesha und dem deutschen Pianisten Thomas Hoppe.

Seit über 40 Jahren unterstützt die Gotthard-Schierse-Stiftung junge Musiker mit Förderkonzerten wie den Sommermatineen. Nach der Einstellung des 1920 gegründeten „Konzertführers für Berlin und Brandenburg“ im vergangenen Jahr ist die Stiftung auf neue Sponsoren angewiesen. Stellen die sich nicht ein, könnte es sein, dass die Matineen 2015 zum letzten Mal stattfinden. Ein echter Verlust wäre das, zeigt sich doch schon im Auftaktkonzert, welche Talente hier auf die Bühne treten.

Liebevolles Vibrato und präzise Staccati

In Robert Schumanns „Sonate für Klavier und Violine Nr.1“ begeistert Jonian Ilias Kadesha mit seinem virtuosen und unaufgeregten Spiel. Den zweiten Satz interpretiert er mit einem warmen und intensiven Violinenklang. Der dritte, vom Komponisten bewusst unruhig gehaltene Satz besticht mit präzise gesetzten Staccati von Klavier und Violine – und doch gelingt es Kadesha, durch den liebevollen Einsatz eines breiten Vibratos die Aufgeregtheit aus dem Satz herauszunehmen.

Nikos Skalkottas’ „Petite Suite Nr.1“ von 1946 ist inspiriert von griechischen Tänzen und Volksliedern. Zu Lebzeiten kaum beachtet, gilt er heute als einer der bedeutendsten griechischen Vertreter der neuen Musik. Skalkottas’ Komposition steht in hartem Kontrast zur Romantik Schumanns. Die Töne krachen nur so in den Raum hinein. Kadesha spielt sie virtuos und mit dynamischem Fingerspitzengefühl. Im zweiten Satz beweist er feines Klanggespür, vermag liebevoll und brutal zugleich zu spielen, Akzente beinahe humoristisch zu setzen. Ein Wechsel zwischen Hektik und Gelassenheit, das den Zuschauer in seinen Sitzen unruhig umherrutschen lässt.

An die griechische Heimat

Die folgende Brahms-Sonate wirkt dann schon fast konventionell, auch wenn der warme und gefühlvolle Klang der Musiker dem Werk alle Ehre macht. Bei Maurice Ravels „Tzigane“ greift Kadesha erneut beherzt in die Saiten. Er spielt intensiv und melodiös und im perfekten Einklang mit seinem Begleiter Thomas Hoppe. Auch technisch zeigt sich der Geiger höchst versiert, verliert selbst bei den atemberaubenden Tempi nicht die spielerische Souveränität.

Zum Schluss gibt es nochmal den dritten Satz aus Nikos Skalkottas’ „Petite Suite“ als Zugabe. „Weil ich selber aus Griechenland komme“, erklärt Jonian Ilias Kadesha und spielt aus voller Seele. Mehr Weltpolitik in einer großartigen Sonntagsmatinee, als zu erwarten war.

Weitere Konzerte am 19. und 26. Juli sowie 2. August, jeweils um 11 Uhr. Weitere Infos unter: www.sim.spk-berlin.de.

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