João Donato : Der Hauch der Melancholie 50 Jahre Bossa Nova:

Ein dunkles, schmales, elegantes Mauergewölbe unter der S-Bahn, teure Cocktails und hippes Publikum: In der Bar Tausend feiert man den 50. Geburtstag des Bossa Nova in verrauchter Lounge-Atmosphäre.

Roman Rhode

Ein dunkles, schmales, elegantes Mauergewölbe unter der S-Bahn, teure Cocktails und hippes Publikum: In der Bar Tausend feiert man den 50. Geburtstag des Bossa Nova in verrauchter Lounge-Atmosphäre. Finale eines Festivals im Miniformat, das dem Genre unter dem Titel „Total Bossa“ mit Film, Musik und Lesung gehuldigt hat. Am Flügel auf der winzigen Bühne hockt João Donato, einer der Urväter des Bossa, und greift in die Tasten. Es ist – eine kleine Sensation – sein erster Auftritt in Deutschland. Aber der 74-Jährige spielt, als säße er in einem Botequim, einer jener Kneipen in Rio, in denen sich damals die musikalische Bohème getroffen hatte, um die Songs des entstehenden Genres auszutüfteln.

In Berlin verzichtet Donato auf die Gitarre João Gilbertos, lässt sich stattdessen von Kontrabass, Schlagzeug, Querflöte oder Saxofon begleiten. Und haucht seinen Kompositionen wie „E Menina“ mit seiner hellen, brüchigen Stimme perkussives Leben ein. Donato hat sich nicht mitreißen lassen vom Neo-Bossa, von den modernen, weichgespülten, rauscharmen Varianten seiner Musik. Noch immer klingen seine Akkorde etwas schief und unstimmig, wunderbar desafinado, und sein Klavier setzt er vor allem als Rhythmusinstrument ein. In seinem präzisen, treibenden Spiel ähnelt er Thelonious Monk.

Und nach wie vor umkreist Donato die brasilianischen Melodien mit einer Jazz-Attitüde. Seine – ebenfalls betagten – Musiker improvisieren mit Lust und Schalk, der Flötist setzt immer wieder zauberhafte harmonische Akzente. Und seinen zusammen mit Gilberto Gil geschriebenen Hit „Bananeira“ würzt Donato mit Zitaten aus „Tabú“, einem Lied des kubanischen Pianisten Ernesto Lecuona. Hier klingt der Bossa so schlicht und ungehobelt, so dramatisch und verspielt wie in seinen Anfangstagen. Roman Rhode

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