Kultur : José Saramago nennt Ramallah ein KZ

Äußerungen des portugiesischen Literatur-Nobelpreisträgers José Saramago, der Israels Blockade der Palästinensergebiete mit dem Holocaust verglichen hat, haben in Israel Empörung ausgelöst. Der 79-jährige Autor ("Stadt der Blinden") sagte während eines Besuchs in Ramallah, der "Geist von Auschwitz" schwebe über der Stadt: "Dieser Ort wird in ein Konzentrationslager verwandelt." Saramago war mit einer Delegation des Internationalen Schriftstellerparlaments in Ramallah, um den palästinensischen Dichter Machmud Darwisch und andere Intellektuelle zu besuchen.

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Der israelische Schriftsteller Amos Oz schreibt in einer Reaktion auf die Äußerung in der Zeitung "Jediot Achronot": "Dies ist heute der beliebteste Vergleich der Antisemiten in aller Welt." Saramago habe "schreckliche moralische Blindheit" demonstriert. "Als Mitglied der Linken, als jemand, der für das Recht des palästinensischen Volks auf einen unabhängigen Staat neben Israel kämpft, sehe ich Saramagos Äußerungen als Schlag ins Gesicht für die Opfer der Nazis, das Friedenslager in Israel und die gesamte Menschheit." In einer Stellungnahme des Wiesenthal-Zentrums in Jerusalem ist von einem "absurden Vergleich" die Rede, der klar zeige, "dass überragende literarische Fähigkeiten absolut keine Garantie für historische Kompetenz sind".

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