Josef Hader : ''Der Brenner ist immer bereit, sich erlösen zu lassen''

In "Der Knochenmann" spielt Österreichs Star-Kabarettist Josef Hader erneut den grantigen Kommissar Brenner. Ein Interview

Interview von Achim Fehrenbach
Der Knochenmann
Zigarette danach. Birgit (Birgit Minichmayr) und Brenner (Josef Hader) in "Der Knochenmann. -Foto: Promo

Die Kriminalromane des österreichischen Schriftstellers Wolf Haas erfreuen sich auch in Deutschland großer Beliebtheit. Drei der Abenteuer des Kommissar Brenner wurden bereits verfilmt: Nach "Komm, süßer Tod" und "Silentium" läuft am 19. Februar "Der Knochenmann" in den Kinos an. Schauplatz diesmal: Eine zwielichtige Backhendlstation in der österreichischen Provinz. Tagesspiegel.de hat den Brenner-Darsteller und Kabarettisten Josef Hader auf der Berlinale getroffen.



Herr Hader, haben Sie schon die Berliner Currywurst probiert?



Ich spiele ja oft im BKA. Da ist das Curry 36 sozusagen ein Pflichttermin. Die berühmte vom Kurfürstendamm kenne ich noch nicht. Ich bin auch kein großer Wurstesser, das sage ich ehrlich, ich gehe lieber mit jemandem hin und koste. Aber ich muss sagen, sie überzeugt mich mehr als die Wiener Burenwurst. Die ist mir ein bisschen zu fett.

Hält die Currywurst den Vergleich mit dem Backhendl aus?

Backhendl ist auf jeden Fall besser, in jeder Wertigkeit. Wobei der Österreicher die in Schweine- oder Butterschmalz herausbackt, damit es nicht zu gesund wird. Aber es ist auf jeden Fall gesünder als Wurst, das steht fest.



Achten Sie seit den Dreharbeiten zu "Der Knochenmann" stärker darauf, was Sie essen, und wie es zubereitet ist?

Nein. Nur während der Dreharbeiten war es so, dass beim ganzen Filmteam und bei mir ein gewisser Hang zum Vegetariertum erkennbar war. Speziell in diesen Tagen, wo wir in dem Raum mit den Schweinehälften und den Wildtieren drehten, die da hingen, und die einfach nicht gut gekühlt werden konnten, weil dauernd das Filmteam drinnen war. In der Zeit waren die Fleischgerichte gar nicht beliebt.

Der Film "Der Knochenmann" weicht stark von der Buchvorlage ab. Warum?

Weder der Wolfgang Murnberger (Regisseur, Anm. d. Red.) noch ich, aber auch nicht der Wolf Haas mögen die klassischen Whodunits. Wir finden das nicht prickelnd, wir sehen es nicht gerne und deshalb wollen wir es auch nicht gerne machen. Wenn Wolf Haas einen Whodunit schreibt, dann tut er das in einer Sprache, die das Ganze so in ein lakonisches Eck rückt, dass es wunderbar ist. Aber im Film steht uns diese Sprache nicht zur Verfügung.

Im Buch findet der Brenner oft Dinge heraus, die vor Jahren passiert sind. Den Film versuchen wir so zu gestalten, dass diese Dinge passieren, wenn der Brenner an Ort und Stelle ist. Der erste Gedanke beim "Knochenmann" war: Der Brenner kommt hin, wenn die Dinge passieren. Dann sind wir drauf gekommen: Viele Leute machen da viele furchtbare Sachen, aber sie tun es immer aus Liebe. Da hatten wir Lust, dass der Brenner auch nicht ganz ungeschoren davonkommt und auch sehr schlecht ermittelt aufgrund der Liebe. Ab einem bestimmten Punkt haben wir gesagt: Das wird ein Liebesfilm.

War es schwierig, der Figur Brenner die Liebe "einzuimpfen"?

Nein. Der Brenner ist immer bereit, sich erlösen zu lassen, wenn's geht. Und von Jahr zu Jahr mehr, weil er immer älter wird und immer noch nichts los war in seinem Leben. Da steigt die Bereitschaft ständig, irgendwie noch ein Stück vom Kuchen haben zu wollen.

Was treibt den Brenner im Leben an?

Ihn treibt der Überlebenswille an. Und ansonsten, in der Beziehung zu den Menschen, vor allem die Enttäuschung. Dass er vom Leben und den Menschen eher enttäuscht ist, und eine sehr trotzige Haltung gegenüber seinen Mitmenschen einnimmt und sich immer alleine denkt. Er ist eine erfolglose Ich-AG.

In seinen Fällen ist der Brenner immer ein Stück weit Teil des Problems ...

Im Film ist das immer so, da ist er wirklich Teil des Problems. Das gilt für "Silentium" und für den "Knochenmann" ganz stark, bei "Komm, süßer Tod" weiß ich's jetzt nicht so genau, aber grundsätzlich kann man sagen: Wenn der Brenner nicht vorbeigekommen wäre, dann gäbe es vielleicht immer ein bis zwei Tote weniger.

In einem anderen Interview sagten Sie, der "Knochenmann" habe viel gemeinsam mit Ihrem ersten Film "Indien". Warum?

Wir haben alle gesagt, dass wir in dieser Verfilmung wegwollen von diesem Gut-Böse-Schema, und wollen eigentlich Menschen zeigen. Dadurch, dass der Blick nicht verstellt war durch irgendeine Art von Satire oder von Krimi, sind wir ganz stark an den Menschen rangekommen. Das Tragische und Komische, in diesem Film auch das Erschreckende, passieren ganz knapp hintereinander oder auch teilweise gleichzeitig. Und da hatte ich das Gefühl, dass diese Konzentration von tragisch und komisch auf eine andere Art auch in "Indien" so stark war. Und in den Filmen dazwischen nie so stark.

Wie war die Zusammenarbeit mit den Birgit Minichmayr und Sepp Bierbichler?

Sehr unkompliziert. Die stammen beide vom Land. Der Murnberger ist vom Land, ich bin vom Land. Es war niemandem möglich, das irgendwie zu verleugnen. Und dann wird alles ganz einfach. Der Wolfgang Murnberger gibt den ganzen Dreharbeiten auch einen entspannten Hang. Er gibt einem nie das Gefühl, dass da jetzt großartige Sachen entstehen sollen, sondern er macht das sehr unspektakulär. Dadurch nimmt er die Anspannung heraus. Und irgendwie sind es alles Leute, mit denen man nach dem Dreh noch gut zusammensitzen kann. Das gilt für die Birgit und auch für den Sepp: Sie werden eher nervös, wenn die ganze Zeit große Kunst passieren soll, also wenn da irgendwer ein bisschen was aufbläst, sich selber oder den Film. Da glaube ich, haben sie Probleme. Aber nicht, wenn man ganz normal mit ihnen ist und sie gleichzeitig gut arbeiten lässt.

Sehr gute Schauspieler haben ganz bestimmte Bedingungen, unter denen sie gut funktionieren. Wo es ihnen leicht fällt, Außerordentliches zu leisten. Sie werden ungemütlich, wenn diese Bedingungen gestört werden. Der Dreh war in jeder Hinsicht wirklich unkompliziert.

Die Dialoge haben Sie selbst geschrieben?

Wir schreiben zu dritt, jeder einzelne eine Fassung. Die anderen fallen dann über den einen her, dann muss der nächste weiterschreiben. Wir haben acht Fassungen geschrieben, die Dialoge habe ich endbearbeitet. Auch mit den Schauspielern gemeinsam, die ich gebeten habe, Input zu liefern, was ihnen an ihren Rollen auffällt, was man verbessern könnte. Ich glaube sehr daran, dass sich das Drehbuch auf die Schauspieler zubewegen soll und nicht nur die Schauspieler aufs Drehbuch.

Über den Unterschied zwischen österreichischem und deutschem Humor wurde schon viel behauptet. Sehen Sie einen?

Ich behaupte da gerne mit. Es gibt beide nicht. Der österreichische ist ganz grundverschieden, ob er in Wien oder in Innsbruck passiert. Gerade in Deutschland ist der Zustand vom Humor her wie vor 1871. Da hat sich nichts geändert. Es gibt in Bayern einen anderen Humor als in Schwaben, in Berlin einen anderen als in Hamburg. Das ist sehr regional, würde ich sagen.

Gibt es Berührungspunkte?

Auf eine bestimmte Art trifft sich der österreichische Humor natürlich mit dem bayerischen - von der Hinterfotzigkeit her. Aber auch dieser schwarze Humor, der in Norddeutschland herrscht, passt sehr gut zum österreichischen Humor. Und diese natürliche Grundironie in Berlin passt sehr gut zur Wiener Grundironie. Das sind die drei Landschaften, die mir am stärksten einfallen.

Könnte der Brenner auch mal im Ausland ermitteln?

Er könnte natürlich, wenn er gezwungen ist. Ich denke, dass Wolf Haas es ganz gern mag, wenn wir wieder mal ein Buch von ihm verfilmen. Ein Original-Drehbuch, mit dem wir den Brenner auf große Reise schicken, ist auf absehbare Zeit jedenfalls nicht zu erwarten. Denkbar ist es, aber man muss da sehr vorsichtig sein, dass es nicht ein Traumschiff-Krimi wird. Wolf Haas und Wolfgang Murnberger gehen beide sehr souverän mit österreichischen Milieus um. Ich glaube, dass wir alle in der Heimat unsere Qualitäten besser ausspielen können als auswärts. Da geht es uns wie den Fußballern.

"Der Knochenmann"
Buchvorlage: Wolf Haas
Regie: Wolfgang Murnberger
Mit: Josef Hader (Brenner), Birgit Minichmayr (Birgit), Josef Bierbichler (Wirt Löschenkohl), Simon Schwarz (Berti), Christoph Luser (Pauli)
Laufzeit: 121 Minuten
Kinostart: 19. Februar 2009
Die offizielle Website zum Film

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