Kultur : Joshua Redman: Jazz: Lakonisch

Johannes Völz

Jahr für Jahr reist Joshua Redman durch Europa. Jahr für Jahr die gleiche Frage: Wird er es diesmal schaffen? Wird der 31-Jährige vom Talent aufsteigen zum "Saxophone Colossus"? Nach seinem Konzert im Quasimodo heißt die Antwort: Nein. Zwar hat der Titel seiner aktuellen CD "Beyond" nicht ganz unrecht. Denn wie auf Platte setzt sich Redman auch live über das Geläufige hinweg. Er durchbricht die starre Aneinanderreihung von Soli und schafft so Platz für seine Spielchen mit dem Pianisten Aaron Goldberg und dem Bassisten Reuben Rogers: Mal verfolgt das Saxofon das Klavier, mal der Bass das Saxofon und plötzlich, fast unbemerkt, tauschen alle drei die Rollen. Dabei swingt das Quartett wie zu besten Hardbop-Zeiten. Auch Redmans Kompositionen, Hauptteil des Programms, verlangen den Musikern mehr ab als in der Vergangenheit. Bei "Courage" groovt das Quartett in 13/4. Redmans Verdienst dabei: Er lässt das Komplexe ganz simpel klingen. Diese Einfachheit aber wird zu seinem Verhängnis: Wenn Redman seine Melodien auf ein Minimum reduziert, dann entsteht anstatt Klarheit Belanglosigkeit. Zu wenig Autorität strahlen Redmans Ideen aus, wenn er den musikalischen Raum sparsam füllen soll. Ungünstig, dass Redman den lyrischen Momenten soviel Platz einräumt. Doch es liegt an der Dramaturgie der Stücke: Fast immer steigert sich die Musik von der Ruhe zum orgiastischen Höhepunkt, um schließlich entspannt zu enden. Redman aber wird seinen eigenen Stücken nicht gerecht. Das heißt: Noch nicht. Denn Talent hat er ja. Und im nächsten Jahr kommt er bestimmt wieder.

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