Jubiläum : Friedensaktivist Uri Avnery - der ewige Kämpfer

Für die einen ist er ein Vorreiter, für die anderen ein Verräter: Der israelische Friedensaktivist Uri Avnery wird 85 Jahre - und hofft, den Frieden zwischen Israel und Palästina noch mitzuerleben.

Tel Aviv Der kämpferische israelische Friedensaktivist Uri Avnery gibt nie auf: Auch mit 85 Jahren glaubt der aus Deutschland stammende Journalist und Schriftsteller an eine Friedenslösung in Nahost noch zu seinem Lebzeiten. "Ich habe ja noch Zeit", sagt der Mann mit den dichten weißen Haaren und dem buschigen Bart und lacht dabei. Der am 10. September 1923 als Helmut Ostermann im westfälischen Beckum geborene Avnery ist in Israel so umstritten wie wenige. Den einen gilt der Gründer von Gusch Schalom (Friedensblock) als engagierter Kämpfer für den Frieden, anderen als Verräter an der zionistischen Sache.

Seine Zielsetzung ist sehr ehrgeizig: Er wolle den "genetischen Code der zionistischen Bewegung" und "das Volksbewusstsein (der Israelis) von der Tiefe aus verändern", sagt Avnery, der immer noch jede Woche eine Kolumne veröffentlicht. "Und das ist eine gewaltige Aufgabe". Er tritt für einen israelischen Staat in den Grenzen von 1967 und einen unabhängigen Palästinenserstaat ein, Jerusalem sollen sich beide Seiten als jeweilige Hauptstadt teilen. Den Siedlungsausbau und die Militäraktionen Israels in den Palästinensergebieten sieht er als "Unglück für Israel" und "schreckliches Hindernis für jede Art von Frieden".

Die Härte des Konflikts am eigenen Leib spürent

Dennoch bleibt er optimistisch und sieht gewaltige Veränderungen in den letzten Jahrzehnten. "Die Mehrheit der Israelis ist bereit, nicht nur Frieden zu schließen, sondern auch den Preis dafür zu zahlen", glaubt er. Tragisch sei nur die Kluft zwischen der Meinung der Öffentlichkeit und der offiziellen Politik. Dies sei auf der palästinensischen Seite ähnlich. Der seit fünf Generationen andauernde Konflikt in Nahost habe auf beiden Seiten unendlich viel "Angst, Misstrauen, Vorurteile und Hassgefühle" geschaffen. Der in Hannover aufgewachsene und 1933 mit seiner Familie nach Palästina eingewanderte Avnery hat die Härten des Nahostkonflikts oft am eigenen Leib gespürt: Im ersten Nahostkrieg von 1948 wurde er im Kampf schwer verwundet. Von 1938 an war er vier Jahre lang Mitglied der jüdischen Untergrundbewegung Irgun, später beschrieb er sich selbst rückblickend als "Terrorist". Von 1950 an war er vier Jahrzehnte lang Herausgeber und Chefredakteur des Nachrichtenmagazins "Haolam Haseh" (Diese Welt). Auch als Parlamentsabgeordneter setzte er sich nach 1965 in insgesamt drei Amtsperioden für seine Ziele ein.

Für einen Sturm der Empörung sorgte Avnery 1982, als er sich in Beirut zum ersten Mal mit Jassir Arafat traf, dem damaligen Chef der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO. Kontakte mit der PLO waren zu der Zeit in Israel noch verboten, er riskierte eine Anklage wegen Hochverrats. Heute seien die Kontakte mit der Fatah von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas offizielle Regierungspolitik, sagt Avnery mit deutlicher Genugtuung. Er sieht dies als Beweis dafür, dass wir "in der Tiefe der israelischen Volksseele mit gewaltigen Schritten vorangekommen sind". Mit seinen umbequemen Äußerungen bringt Avnery allerdings noch viele Israelis in Rage. Vor zwei Jahren rief der rechtsextreme Aktivist Baruch Marsel die Armee sogar zu seiner "gezielten Tötung" auf. Linksorientierte Aktivisten schadeten Israels Interessen nicht weniger als die äußeren Feinde des Landes, meinte er. Von solchen Drohungen will Avnery sich jedoch nicht einschüchtern lassen. Seinen 85. Geburtstag will er ganz privat begehen. "Ich werde nichts Besonderes machen, aber mit meiner Frau Rachel still feiern." (eb/dpa)

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