Jubiläumskonzert der Berliner Cappella : Freud & Leid

Die Berliner Cappella feiert mit Brahms und Szymanowski in der Philharmonie ihren 50. Chor-Geburtstag.

Johannes Metternich
Spannung halten: Dirigentin Kerstin Behnke
Spannung halten: Dirigentin Kerstin BehnkeFoto: Michael Asche

Auf tragische Weise wird das Konzertprogramm der Berliner Cappella vom Zeitgeschehen eingeholt. Brahms’ „Deutsches Requiem“ erklingt in der Philharmonie – und die Interpreten halten, im Gedenken an die Opfer von Paris, mitten im Stück zu einer Schweigeminute inne.

Dabei ist der Anlass des Auftritts ein freudiger: das Jubiläum des Chors. Vor 50 Jahren von Peter Schwarz gegründet, damals Kantor der Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche in Tiergarten, entwickelte sich die Berliner Cappella zu einem der profiliertesten Laienchöre der Stadt. Dutzende zeitgenössische Kompositionen hat die Cappella uraufgeführt, seit rund 15 Jahren ist sie auch regelmäßig in Konzerthaus und Philharmonie zu hören. Von Beginn an pflegte der Chor regen Kontakt nach Osteuropa, gastierte während des Kalten Krieges unter anderem in Ungarn, Russland und Polen: „Wir galoppierten der Politik weit voraus, die nur mühsam vorankam“, so Peter Schwarz, der den Chor bis 2001 leitete. 2006 starb der Kantor.

Das Jubiläumskonzert schlägt gleich mehrere Bögen zur Vergangenheit des Chors. Gefeiert wird auch die mehr als 30-jährige Partnerschaft mit der Filharmonia Pomorska aus dem polnischen Bydgoszcz (Bromberg), die beim Festkonzert am Sonntag in der Philharmonie natürlich dabei ist. Dirigentin Kerstin Behnke, die der Chor 2002 als neue, engagierte Leiterin gesucht und gefunden hatte, stellt Brahms’ romantisch-dramatischer Bitte um die ewige Ruhe das meditative, oft an der Grenze der Tonalität mäandernde „Stabat Mater“ von Karol Szymanowski voran. Szymanowski wollte in seinem 1926 vollendeten Werk „Ideen von nationaler Musik“ zum Ausdruck bringen, mit liturgischem Text zwar, dennoch abseits der Kodizes der klassischen Kirchenmusik.

Verdienter Jubel trotz kleiner Schnitzer

Bringt im ersten Satz Sopranistin Claudia Barainsky noch zart den Schmerz und die Trauer der Mutter Jesu zum Ausdruck, so wogt im zweiten in volksweisen-naher Vertonung die aufgebrachte Klage über den Verlust Mariens durch Chor und Orchester. Der Wechsel zwischen sachtem, sakralem Lamento und Aufruhr zieht sich durch das Stück und mündet schließlich versöhnlich in einen romantisch angehauchten Schlusschoral, der bereits auf Brahms’ Totengebet einstimmt.

Der Chor zeigt sich der anspruchsvollen Aufgabe gewachsen: Dynamisch stimmig wechselt er zwischen den Solopartien in Vorder- und Hintergrund, Modulationen und Intervalle sitzen präzise. Einzig die Oberstimmen gelangen an ihre Grenzen in jenen Höchstlagen, bei denen mehr Leichtigkeit angebracht wäre. Diese legen wiederum Claudia Barainsky und Mezzosopranistin Agnieszka Rehlis an den Tag, noch wenn sie mit rundem Klang Jesu’ Schmerzen beweinen.

Für das „Deutsche Requiem“ kehrt der Chor nach der Pause in doppelter Besetzung wieder, kann seine Durchschlagskraft jedoch nicht in gleichem Maße erhöhen. Die Gänsehaut im „Alles Fleisch, es ist wie Gras“ bleibt leider aus, zudem fehlt an manchen Stellen die Spannung, die für eine makellose Intonation notwendig gewesen wäre. Bariton Burkhard von Puttkamer setzt manchen Ton etwas unbedacht an, auch im Orchester, das die meiste Zeit souverän spielt, schleichen sich einzelne Verspieler ein. Der Feierlaune von Musikern wie Publikum tut dies jedoch keinen Abbruch.

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