Jubiläumskonzert des Hanns Eisler Chors : Die singenden 68er

Der Hanns Eisler Chor hielt noch nie viel von Konvention. Heute haben sich manche der einst so flammend vertretenen Überzeugungen der Sänger abgeschliffen - den Chor gibt es aber immer noch.

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Die Sängerinnen und Sänger des Hanns Eisler Chors Foto: promo / Michael Schaufert
Der Hanns Eisler Chor.Foto: promo / Michael Schaufert

Sie wollten alles anders machen: keine Werke des klassischen Kanons singen, sich nicht im Elfenbeinturm verschanzen, keine einheitliche Konzertkleidung tragen. Im Juli 1973 gab der Hanns Eisler Chor sein erstes Konzert: natürlich mit Werken des kommunistischen Komponisten. Studentinnen und Studenten der West-Berliner Musikhochschule wollten sich nicht mehr nur in endlosen Debattenrunden die Köpfe heiß reden, sondern gesellschaftskritische Theorie mit geselliger Praxis verbinden, indem sie Eislers politische Musik unters Volk brachten. In Kombination mit frisch geschriebenen Stücken wie Heinz Schreiters „Vietnamesischen Erfahrungen“ oder Wilhelm Dieter Sieberts „Bleistaubkantate“.

Manche der einst so flammend vertretenen Überzeugungen haben sich abgeschliffen, den Chor der singenden 68er aber gibt es immer noch, geleitet wird er wie damals von den Dirigentinnen Christina Hoffmann-Möller und Susanne Jüdes. Bei den Jubiläumskonzerten am Wochenende gruppieren sich um den Hausheiligen Eisler in humanistischer Harmonie: die Kollegen Purcell, Gershwin, Brahms, Lennon und Weill.

Akademie der Künste Hanseatenweg, Sa 9.11., 19.30 Uhr, So 10.11., 18 Uhr, 15 €

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