Jubiläumskonzert : Trompetenengel

Seit 30 Jahren der Gegenwart verpflichtet: Das Scharoun-Ensemble gibt ein Jubiläumskonzert im Kammermusiksaal

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Das Scharoun Ensemble.
Das Scharoun Ensemble.Foto: Ghandtschi

Aus dem Kind Alexander Goehr, das 1932 in Berlin geboren wurde, ist ein englischer Komponist geworden. Sein Vater Walter Goehr, Dirigent und Meisterschüler Schönbergs, verlor seine Stelle beim Berliner Rundfunk, weil er Jude war. Ihm gelang es 1933, mit der Familie nach London zu emigrieren. Der Sohn wächst im Land Brittens und Tippetts auf, arbeitet mit Birtwistle, lehrt in Cambridge.

„Seit längerem widmen wir uns Komponisten, die in der Nazi-Zeit ihre Heimat verlassen mussten“, sagt Cellist Richard Duven vom Scharoun-Ensemble. Nun feiert die Gruppe, der vornehmlich Berliner Philharmoniker angehören, 30. Geburtstag im Kammermusiksaal. Eine lange Erfolgsgeschichte mit viel Engagement für neue Musik. Zwei Gründungsmitglieder (Peter Riegelbauer, Stefan de Leval Jezierski) sind noch im Stammensemble, das je nach Bedarf um Zusatzinstrumente erweitert wird. Und da die Musiker nicht kleinmütig sind, haben sie sich als Namenspatron Hans Scharoun gewählt, den Baumeister der Philharmonie mit ihrer organischen Architektur.

Schönbergs Schüler: spritzig, archaisch, klangvoll

Das Jubiläumsprogramm fesselt mit einem erlesenen Programm, da es heterogene jüdische Schicksale musikalisch reflektiert. Von Egon Wellesz, österreichisch-britischer Komponist, erklingt in der Kammerfassung ein „Persisches Ballett“, Zwanzigerjahrestück im Idiom des Schönberg-Schülers, spritzig, archaisch, klangvoll, angeführt von Wolfram Brandl (Violine) und Andreas Blau (Flöte). Die spannende Interpretation mit drei Schlagzeugern verdankt sich nicht zuletzt dem Dirigenten Duncan Ward. Stefan Wolpe war ein US-amerikanischer Komponist deutscher Herkunft. Seinem „Piece for Trumpet and Seven Instruments“ (1971) ist anzuhören, dass er, Mitglied der Berliner „Novembergruppe“, einst mit Stuckenschmidt Schlager in atonaler Harmonik komponierte. Die Solistin Tine Thing Helseth siegt als Trompetenengel.

In Anwesenheit des Komponisten Alexander Goehr wird „. . .zwischen den Zeilen“ uraufgeführt. Die „Kammersymphonie“ für 11 Spieler, Auftragswerk der Berliner Philharmoniker, leitet den Komponisten „in unerwartete Richtungen“: Vorbild Schönberg, Farben, Streicher unisono, dynamische Kontraste zu einer Tuba (Elliot Dushman), die singt.

Mit dem Septett Beethovens, einem Klassiker des Ensembles, darf es sich in der Gunst des Publikums sonnen. Klarinette (Alexander Bader) und Violine träumen im Adagio. Temperamentvoll und leise steht die Aufführung dafür ein, dass sich aus Konzentration eine sublime Leichtigkeit ergibt.

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