Kultur : Jüdische Kulturtage 2005 in Berlin

Dagny Lüdemann

Wie ein Mosaik aus glänzenden und matten Steinchen, mit alten und neuen Stückchen jüdischer Kultur, präsentiert sich das Programm der diesjährigen Jüdischen Kulturtage in Berlin. Ein prachtvolles Spiegelzelt aus den Zwanzigerjahren wird auf dem Gelände der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße aufgebaut. Damit gibt es zum ersten Mal einen zentralen Veranstaltungsort für die Theaterabende, Lesungen und Konzerte des 14-tägigen Festivals – diesmal mit dem Schwerpunkt Zwanzigerjahre.

Den Auftakt bildet die Premiere des Mahagonny-Songspiels von Bertolt Brecht und Kurt Weill, für das der Schauspieler und künstlerische Leiter der diesjährigen Jüdischen Kulturtage Dominique Horwitz als Regisseur debütiert.

Dass die Zwanziger als Blütezeit für Künstler und Intellektuelle keineswegs für alle Berliner Juden gülden waren, machen Stadtführungen und Fotodokumentationen deutlich. Vor allem im Scheunenviertel lebten viele mittellose jüdische Immigranten, die aus Osteuropa in die Spandauer Vorstadt geflohen waren.

Jiddischer Tango und moderne Klänge des ukrainischen Techno-DJs Shantel bilden musikalisch Kontraste, es gibt eine lange Stummfilmnacht, und selbst die „Russendisko“ ist zu Gast im festlichen Spiegelzelt. So finden sich die Mosaiksteinchen zu einem Spiegel zusammen, der das kulturelle Leben von Juden und Menschen anderer Kulturkreise in Berlin von den Zwanzigern bis heute reflektiert.

Jüdische Kulturtage 2005, 27.11. – 11.12., Programm unter www.juedische-kulturtage.org oder bei der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Tel.: 88 02 82 54

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