Kultur : Jüdische Proteste gegen Stéphane Hessel

Der französische Schriftsteller und Holocaust-Überlebende Stéphane Hessel hat wegen seines Essays „Indignez-vous“ (Empört euch!) Proteste bei Frankreichs jüdischen Organisationen ausgelöst. In dem Aufsatz ruft er zum Widerstand gegen Ungleichheit und Fremdenhass auf; auch Kritik gegen Israel wird darin laut. Auf Drängen jüdischer Verbände ist wegen seiner Parteinahme im Nahostkonflikt nun am Montag eine Konferenz mit Hessel an der Pariser École Normale Supérieure (ENS) zur Unterstützung der Kampagne „BDS – Boykott durch Deinvestition und Sanktionen“ abgesagt worden. Die Kampagne wirbt für den Boykott israelischer Waren. Das Büro für Wachsamkeit gegen Antisemitismus (BNVCA) hat sich dem Protest angeschlossen, nachdem es bereits im Herbst 2010 Klage gegen Hessel wegen Aufrufs zur Rassendiskriminierung erhoben hat. Der 93-jährige Widerstandskämpfer und Überlebende des KZ Buchenwald steht mit seinem 30-Seiten-Essay in Frankreich seit Wochen auf der Bestsellerliste. Das Heft wurde mehr als 800 000 Mal verkauft. Hessel, 1917 in Berlin geboren, ist der einzige noch lebende Mitverfasser der allgemeinen Menschenrechtserklärung von 1948. Zeitlebens setzt er sich für Minderheiten ein. dpa

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