Kultur : Jüdisches Museum Berlin: das erste Jahr

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Berlin hat eine neue Attraktion – nur wissen es die Berliner noch nicht. 70 Prozent der Besucher des Jüdischen Museums sind Touristen, hatte Marketing-Chef Klaus Siebenhaar anlässlich des einjährigen Jubiläums der Eröffnung zu berichten. Nur 20 Prozent kommen aus Berlin. Jeder vierte Besucher kommt aus dem Ausland. Zweite Besonderheit: Die Hälfte der bislang rund 750 000 Besucher sind unter 40 – eine für ein Museum erstaunlich junge Besucherschar. Und ebenfalls die Hälfte gibt an, besonders wegen der Libeskind-Architektur gekommen zu sein.

Viele positive Zahlen also nach einem Jahr – und ein wenig Wehmut zum Abschied. Ken Gorbey, der australische Ausstellungsmacher, der die Dauerausstellung in 18 Monaten auf die Beine gestellt hatte, verabschiedet sich von Berlin– zwar immer noch auf Englisch, aber mit vielen warmen Worten über das wundervolle Team, die ausgesprochen intelligente Debatte nach der Eröffnung und die neuen Freunde in Berlin. Seine Position übernimmt Cilly Kugelmann, die mit behutsamen Änderungen die Dauerausstellung in die Zukunft führen will: weniger chronologisch, mehr themenbezogen, leicht ausgedünnt und für die Besucher klarer zu erfassen. Das unmittelbare Umfeld in Kreuzberg solle stärker eingebunden werden, indem ein jüdisch-islamischer Dialog gesucht werde. Themen wie die Kreuzzüge, die Erfahrungen mit der Schächtung von Tieren oder der Beschneidung könnten hierzu dienen. Auch die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen wie etwa der Liebermann-Villa in Wannsee solle verstärkt werden. Die gegenwärtige Lage in Israel sei dagegen nicht unmittelbar als Thema vorgesehen.

Zunächst einmal wird am 13. September mit einem großen Fest das „Einjährige“ gefeiert. Nach der Bundestagswahl wird ein Ausstellungsteil ab dem 26. September unter dem Titel „Ich bin kein Antisemit...“ Reaktionen dokumentieren, die Vertreter jüdischer Institutionen, besonders Henryk M. Broder, nach der Möllemann-Debatte erhielten. Diese „Schmutzwäsche“ werde an einer Wäscheleine durchs Museum gespannt. til

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